Die Erneuerung des Deutschen Films...

Die Erneuerung des Deutschen Films... geht von Berlin aus. Mit dieser anspruchsvollen Behauptung wurde am 26. Mai in Postdam Propaganda gemacht.
Und zumindest eine Zeitung greift diese Behauptung auf und fährt fort:
"Wir können Rückblick auf zehn Jahre Erfolg halten. Das ist selten in dieser Region", sagte der Chef der Senatskanzlei, André Schmitz, gestern bei der Vorstellung der Dekaden-Bilanz der einstigen Filmboard Berlin-Brandenburg GmbH, die am 1. Januar in Medienboard[*] umbenannt wurde. Das Jahr 2003 war mit einem Fördervolumen von 17 Millionen Euro, mehr als 15 Millionen Kinozuschauern und den Kassenerfolgen "Luther", "Das Wunder von Bern" und vor allem "Good Bye, Lenin!" das erfolgreichste des Zeitraums.
So die Berliner Morgenpost in der Ausgabe vom 27. Mai.

Und die Märkische Allgemeine vom 27.05.2004 macht mit den Zeilen auf:
Medienboard zieht positive Bilanz. Drei Oscars für Filmförderung

Für uns aus der "Szene" war das Gespräch miteinander vielleicht noch wichtiger als das mit Mikrophonen Veröffentlichte, wir wollten hören, wie es wirklich um den Einen oder die Andere aktuell bestellt ist, welche neuen Projekt sich als realistisch abzeichnen und wo es vielleicht neue gemeinsame Schnittstellen gibt. Bereits am Montag, auf der "Generalprobe" bei der Union-Film in Berlin als auch jetzt in Potsdam wurde viel von dieser Möglichkeit Gebraucht gemacht. Es gab wieder viel Klatsch und Tratsch, aber auch wirklich Neues, was nun wahrlich nicht auf diese Seiten gehören.
Summa summarum: "die Botschaft hört ich wohl, Allein, mir fehlt der Glaube".

[*] Es ist verlorene Zeit darüber zu streiten, ob die Umbenennung vom "Film"- in den "Medien"-board wirklich mehr erreichen wird, als dass verbal ein Zeichen gesetzt wird. Am Montag bereits hatte Frau Müller in ihrem "100-Tage-"Statement" in der Interims-Nachfolge von Intendant Klaus Keil deutlich wissen lassen, dass die Kernkompetenz dieses Gremiums nach wie vor der Film sei. Und um diesen würden sich dann, sozusagen in konzentrischen Kreisen, weitere Themen anlagern, zuförderst die TV-Produktion. Und dann auch die News-Produktion und die Musik, und, und, und ... - dennoch werde man aber nicht in der Lage sein, mit diesem neuen Begriff alles erschlagen zu können, was sich darunter Neues subsummieren liesse.

Was an dieser Umbenenneung "stört" ist - einmal mehr - jenes (für was eigentlich symptomatische) Deutsch, dass einem jetzt an jeder Strassenecke als "Back-Shop" oder am Bahnhof als "Gepäck-Center" entgegenschlägt.
Nein, ich bin wahrlich kein Purist, aber es würde mich wirklich interessieren herauszufinden, warum wir uns kollektiv auf diesen Veränderungsprozess in der öffentlichen Kommunikation eingelassen haben.
Diese neuen Namensgebungen tauchen ja nicht deshalb auf, damit wir etwa in der Lage wären, uns auch der ausländischen Bevölkerung besser verständlich zu machen - oder? Dadurch, das wir unsere "cellphones" im Deutschen "Handy" nennen, geben wir uns kommunikationspolitisch mit dem An-Schein ab, nun auch auf der Höhe der Zeit und folgsame Kinder einer globalen Kommunikationsgesellschaft geworden zu sein, ohne erkannt zu haben, dass wir längst deren Opfer sind und als solche mit nichts anderem mehr schmücken als des Kaisers neuen Kleidern.
Ich wünschte, die Verantwortlichen wären bei der Wahl des neuen Namens besser beraten gewesen. In der jetzt neu herausgebrachten und von den Länderchefs in Berlin und Brandenburg unterschriebenen "Production Guide" genannten Publikation lautet der neue nationale Name des Herausgebers: "medienboard" und der internationale "filmcommission".
Um es mit Wilhelm Busch zu sagen: "Man merkt die Absicht und ist verstimmt".

WS.