Wiederholt sich Geschichte im Film?

Was für ein Ereignis: Die Geschichte lebt.

Zwei Amerikaner in Berlin präsentieren sich im Arsenal am Potsdamer Platz mit ihren historischen Schätzen aus der US-Medien-Welt der frühen Jahre des 20. Jahrhunderts.

Der Eine präsentiert sich mit seinem Überblend-Projektor, in den die „Slides“ vorgeführt werden, mit denen die aktuellen Musikaufnahmen dieser Jahre multi-medial begleitet wurde.
Bis zu 20 tausend Stück pro Woche wurden „damals“ produziert, bis dass die Kino größer, die Ausstattung moderner wurde und schließlich die Vorbereitungen für die Krieg dafür sorgen, dass diesen Aufgaben Priorität einzuräumen sei und nicht mehr der Pflege der Kino-Kultur.

Was heißt „Kultur“? Ein Musikhistoriker - an seinem Klavier sitzend und selber die Songs von damals vorsingend und vorspielend - bringt die Dinge auf den Punkt: seit Beginn dieses neuen Jahrhunderst war die bereits die frühe Koppelung von Film- Musik- und Verlagsbranche ein Geschäft, in dem die neuen Songs und deren Illustrationen als „Products“ vermarktet wurden. Jeder, der damals einen Saal mit nicht mehr als dreihundert Plätzen hatten, konnte sein „Kino“ aufmachen. Als Leinwand reicht oft die weissgetünchte Rückwand. Und zunächst war alles Recht, was die Leute dazu brachte, einen „Nickel“ zu opfern, um sich ein paar schöne Stunden zu machen - am besten mit einer Frau in seiner Begleitung, der er hofft, auf diese Art und Weise auch ein wenig näher zu kommen...

Das schöne an Erik war, dass er sich in der Ausstattung seiner von ihm geliebten Zeit mitten in das Kino stellte und als „Projectionist“ seinen eigenen aus Amerika eingeflogenen Apparat zu sprechen brachte. Die in Glas gefassten in vielen aufwendigen Arbeitsphasen erstellten und kolorierten Slides waren jene, so wie sie als Originale in den Jahren 1903, 1904 hergestellt worden waren. Wenn ich fliege, sagt er später den um sich drängelnden Zuschauern, wenn ich fliege, trage ich sie immer bei mir. Es sind und bleiben die Originale und es sind auch nur diese, die ich ihnen hier in Europa bei dieser einmaligen Gelegenheit vorgeführt habe.

Da tritt aus der Gruppe der Zuschauer ein älterer Mann auf ihn zu, und legt ihm eine eigene Pappschachtel vor. Ich kannte diesen Mann bereits aus dem Abend zuvor, als er an der Begegnung mit Willi Sommerfeld beigewohnt hatte, jenem Stummfilmpianisten, der in diesen Tagen 100 Jahre alt geworden war und es sich immer noch ein Vergnügen daraus gemacht hatte, Filme zu begleiten, die so alt waren wie er selber. - In seiner Schachtel befinden sich Projektionsvorlagen, mit denen sein Grossvater seine Laterna Magica betrieben hatte. Eric öffnet die Schachtel sorgsam und hält die Glaskörper gegen das Licht der leutend hellen Leinwand. Ob sie in seinen Projektor passen würden? Nein, dazu müsse er erst die Führungsschlitten ajustieren, da die Rahmengrössen der europäischen Vorlagen nicht die gleichen seien wie die der amerikanischen - ein Normenstreit, den wir also schon aus jenen Jahren kannten - und dabei war es damals Agfa Geavert, die den US-Amerikanischen Markt dominierten und die, wann immer ein US-Konkurrent auf dem Markt erschien, mit einem entsprechenden Preisdumping diesen wieder vom Markt fegten.

Besonders beeindruckend ist aber nicht nur die Vorführung dieser Dias als Life-Show. Genauso beeindruckend ist seine Schilderung von dem Ende dieser Epoche. Die Schilderung der Umstände, die durch den bevorstehenden Krieg zu einem Ende dieser Epoche führten, erinnert mich als ganz aktuelle Entwicklungen: den Aus-Verkauf der digitalen Filmdistribution heraus aus dem Hause Boing, mit dem Lucas und Star-Wars II seinen Durchbruch gefeiert hatte und die seitdem in die Krise geraten ist, nicht nur, weil nicht genug neues Material in die aufgebauten Kanäle der digitalen Distribution nachgeliefert wurden, sondern vor allem, da die Dominanz des Themas „Homeland Security“ all das andere vom Tisch gefegt hat.

Der andere Amerikaner heisst Ron und arbeitet seit vielen Jahren in der Film- und Videoabteilung des Museums of Modern Art. Auch seine Beobachtungen sind ebenso aufschlussreich wie die Dokumente, die er uns zu präsentieren hat. Für ihn ist die Digitalisierung der Medien, die Möglichkeit, seine Dokumente auf CD-Roms und DVDs vorzuführen eine grosse Chance. Und er nutzt sie. Wenn auch ganz anders als Eric.

Er rekonstruiert den Vorführvorgang, indem er Musik und die Slideshow wie in einem Clip zusammenführt. Ein Slide-Clip - ganz so wie heute ein Videoclip zur Vorführung kommen würde. Das schöne an dieser Rekonstruktion sind nicht nur die Bilder - in denen schliesslich der verehrte Leinwandheld durch diese hindurchsteigt um seiner Verehrerin persönlich durch seine reale Präsenz zu beglücken - sondern ist auch ...