Milberg: "Nicht das Erzählte reicht..."

Heute eine "Nachlese" mit einem Auszug aus dem Interview, das der BMW-Aufsichtsratschef Joachim Milberg dem in diesem Thema versierten Christian Lipicki von der Berliner Zeitung gab und am 5. Juli unter der Überschrift "Wissen in Geld verwandeln" auf Seite 11 veröffentlicht wurde [Hervorhebungen von WS.].

Frage: "Muss man auch den Unternehmensbossen vorwerfen, dass viele nicht bereit sind, ausgetretene Pfade zu verlassen und Neues auszuprobieren?"

Antwort: "Unternehmen sind immer dann besonders gut, wenn sie mehr Ideen produzieren, als sie umsetzen können. Aus neuen Ideen kommen die neuen Produkte, mit denen man Geld verdienen kann. Man muss also dafür sorgen, dass möglichst viele neue Ideen entstehen. Auch auf die Gefahr hin, dass man mal daneben greift. Wer Entscheidungen trifft, kann Fehler machen. Wer keine trifft, hat schon einen gemacht. Deswegen finde ich es auch schlimm, dass Unternehmensgründer, die es im ersten Anlauf nicht packen, in Deutschland es schwer haben, eine zweite Chance zu erhalten."

Frage: "Das müssen Sie den Bank-Managern erzählen, die mit Krediten derart zurückhaltend sind."

Antwort: "Man könnte den Spieß ja auch umdrehen und sagen: Wenn ein Unternehmensgründer mit dem ersten Anlauf keinen Erfolg hatte, dann macht er beim zweiten Mal den selben Fehler nicht wieder."

Frage: "Sie waren lange an der Technischen Universität München tätig. Sind Sie jemals auf die Idee gekommen, sich als Unternehmer selbstständig zu machen?"

Antwort: "Jetzt muss ich mich wohl outen. Ich habe zwei Unternehmen ins Leben gerufen. Das eine ist ein Institut für Planung und Beratung im Produktionsbereich. Das andere war eine Software-Entwicklungsgruppe für Simulationssysteme, die inzwischen verkauft ist. Ich kenne also die Probleme von Firmengründern gut."

Frage: "Dann können Sie dem Bundeskanzler aus eigener Erfahrung berichten, wo es am meisten hakt."

Antwort: "Das sind oft die Finanzen und zwar in der Gründungsphase, in der noch keine nennenswerten Rückflüsse vom Markt erwartet werden können. Die potenziellen Kapitalgeber sind nach den negativen Erfahrungen mit der "New Economy" sehr zurückhaltend. Da Neugründungen aber der "Hefeteig" einer innovativen Wirtschaft sind, sollten hier unbürokratische Förderungsmaßnahmen ansetzen."

Frage: "Wann werden konkrete Ergebnisse der Beraterrunde vorliegen?"

Antwort: "In spätestens einem Jahr werden die verschiedenen Arbeitskreise ein Empfehlungspapier vorlegen. Mindestens genau so wichtig ist es aber, dass durch die Arbeitskreise eine Netzwerk-Struktur geschaffen wird, in der Ideen für neue Ansätze gesammelt, verstärkt und verbreitet werden."

Frage: "Haben Sie den Eindruck, Bundeskanzler Schröder wird auf die Ratschläge der Runde hören?"

Antwort: "Am Ende dürfen keine Worthülsen stehen. Nicht das Erzählte reicht, sondern das Erreichte zählt. Wir werden an Handlungen gemessen. Das muss der Politik klar sein. Wenn es Deutschland nicht gelingt, verloren gegangenes Terrain zurückzugewinnen, bekommen wir ein Riesenproblem."