#rp18: Programm-Auswahl-Kommentar

0.

Wie der Versuch, als Teilnehmer teilnehmen zu können, scheitert.

1.

Der Besuch dieser ersten Veranstaltung macht klar, dass wird als Handlungsträger unserer eigenen Geschichten auch Verantwortungsträger unserer Geschichte sind.

Wer kann diese Herausforderung besser formulieren als der Jurist / die Juristin?

re:claim autonomy – Digitale Freiheitsrechte in der neuen Legislatur

Und wir lernen, dass das Gesetz des Handelns schon längst den "Hütern des Gesetzes" entglitten ist, auch wenn sie sich im Nachvollzug bemühen, weiteren Schaden zu vermeiden.

Genau, eigentlich sind sie keine Polizisten, sondern policy-makers. Und dann erklärt "unsere" neue Ministerin für Justiz, dass auch sie in ihrer Rolle eher nur ein ganz kleines Rädchen sei, da ja die wichtigsten Gesetzt heute nicht mehr auf nationaler Basis entworfen und verabschiedet werden, sondern auf europäischer.

So wichtig und richtig diese Aussage auch ist, so bestärkt sie doch die Beklemmung, dass "uns" der Spielraum für das framing des eigenen Handelns immer weiter eingeschränkt wird. Da wird auf der einen Seite immer noch erklärt, wie wichtig es sei, den Willen zur politischen Gestaltung des Gemeinwesens so zu disziplinieren und zu organisieren, bis daraus schlussendlich ein Gesetzt wird. Um dann zu erfahren, dass im Rahmen eines solchen Bemühens immer noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sei.

Das Engagement und die sympathischen Einlassungen Einzelner kommen durchaus gut an - und doch gibt diese Veranstaltung letztendlich wenig Munition für neuen Mut.

2.

Die Veranstaltung: auf der Reihe: "Politics & Society"
rp goes USA wird leider übergangen, obwohl es durchaus von Interesse gewesen wäre zu erfahren, welche weiteren Expansionspläne dieses Begegnungsformat der re:publica plant.

Stattdessen führ der Weg an das Ende des Gebäudes bis an die Glaswand, vor der auf rotem Grund ein "M 2" aufgemalt ist: Hier, am "Meet Up 2" sind die TeilnehmerInnen eingeladen, sich unter der Themenüberschrift "Advanced
Business & Innovation" zu treffen Digital Marketing Meetup mit Andreas Gebhard, so die Ansage.

Die dann nicht eingehalten wird. Stattdessen gesellt sich eine junge Frau in die Runde der Wartenden und schlägt vor, die Gesprächsrunde in die Sonne zu verlegen, sie nimmt das "M2" Schild mit in die Hand, trägt es nach draussen, stellt es dort von aussen gegen die Glaswand und bittet die TeilnehmerInnen, sich im Kreise aufzustellen und gegenseitig vorzustellen.

Auf die eigenen drei Sätze kommt die Antwort, dass es dann wohl besser sei, sich mit Herrn Beckedahl oder Herrn Gebhard zu unterhalten und nicht an diesem Ort den Dialog fortzusetzen.

Nach der Vorstellungsrunde kommt die Aufforderung, sich nun in kleinen Gruppen weiter zu unterhalten. C’est tout (sic!).

Nun ist zu sagen, dass im Rahmen dieses match-makings ein langer Dialog mit einem der anderen Teilnehmer erwuchs, der schlussendlich dazu führte, dass sich diese hier eingesetzte Zeit voll und ganz gelohnt hatte.

Allein, die eigentlich signalisierte Absicht, mit dem Publikum über die Zukunft dieser Veranstaltung ins Gespräch zu kommen, wurde voll und ganz unterlaufen.

3.

Bei der nächsten Gelegenheit, einen Dialog führen zu wollen, klappt es nicht besser. Der Schwerpunkt lautet: "Politics & Society und der Titel:
#Digitalcharta continued - Wir diskutieren weiter (Empfang). Mit von der Partie laut Programm: "Daniel Opper, Johnny Haeusler, Jeanette Hofmann, Malte Spitz, Götz Hamann." Nachdem es endlich gelungen war, den angesagten Raum auch zu finden, war nur noch Jeanette Hofmann im Raum. Und es gibt keinen Moment, sie ansprechen zu können [1].

Als Zeitraum war 14:30 bis 15:30 angekündigt. Bereits um kurz nach 3 Uhr war der letztendlich gefundene Raum schon wieder leer - die Karavane der Träger der grauen VIP-Bändchen war schon weitergezogen. Und wer zu spät kommt, den bestraft...

Der leere Raum lädt ein zur Ruhe und Kontemplation ... und diese ersten Zeilen zu schreiben. Dann kommen nochmals zwei Menschen in diesen Raum. Zunächst Frau Hofman, um sich zwei weitere Kola vom Buffet zu holen und um sich beim Herauslaufen dafür zu entschuldigen, dass sie keine Zeit habe. Und dann kommt ein Mensch vom Catering, der all die noch aufgereihten Getränke zusammenstellt und abräumt. Aber nicht, ohne den Autor zuvor zu fragen, ob er noch ein Wasser oder eine Limonade möchte.

Dieser klitzekleine Moment macht dann doch wieder ein wenig Hoffnung auf eine menschliche Zukunft.

4.

Beabsichtigt war als nächstes der Besuch des Gesprächs in der Reihe: "Arts & Culture POP": Wer umschreibt, bleibt! mit Kathrin Passig, Tanja Braun, Undine Löhfelm.

Und dann wird auch daraus nichts. Denn auf dem Weg dorthin gibt es eine Begegnung mit all jenen, die sich für das Event in Accra im Dezember diesen Jahres interessieren. Diese Begegnung war weder im ausgedruckten Programm noch in der digitalen Version angezeigt.

Die Umgebung war laut und es war schwer, miteinander zu reden. Und dennoch hielten alle durch, notierten ihre Themen und ihre Vorschläge und versprachen sich gegenseitig, miteinander im Gespräch zu bleiben.

5.

[1Was kein Vorwurf ist, sondern sicher auch etwas mit der Haltung des Autors zu tun hat, nicht als gate crasher in einen bestehenden Diskurs mit anderen Menschen einzugreifen.