"Bonjour"
- Bradé -
"Servus"

Das ist DIE Meldung zum französischen Nationalfeiertag, gefunden nach dem Ende des "tagesschau"-live-streams am Abend des 13.07.2004 auf der Nachrichten-Seite von "tagesschau.de":

Der französisch-amerikanische Mischkonzern Vivendi Universal (VU) verkauft das Filmstudio Babelsberg für einen symbolischen Euro an eine Investorengruppe um Carl Woebcken und Christoph Fisser. Wie die Pariser Vivendi-Zentrale bekannt gab, wird der bisherige Mutterkonzern zudem 18 Millionen Euro Schulden des Studio-Unternehmens übernehmen. Angaben aus Branchenkreisen zufolge machte das berühmte Studio zuletzt jährlich rund zehn Millionen Euro Verluste.

Laufende Filmprojekte seien vom Eigentümerwechsel nicht betroffen, erklärte Vivendi weiter. Die Käufer wollen demnach in Babelsberg künftig vor allem Fernsehfilme drehen. Woebcken ist Geschäftsführer beim Berlin Animation Fonds (für Animationsfilme), Fisser ist Geschäftsführer der Studio Atelierbetriebe Schwabing. Die NDR-Tochter Studio Hamburg war in der vergangenen Woche von ihren Kaufabsichten zurückgetreten.

Und: Es ist der Abschluss eines langen Kapitels einer deutsch-französischen Zusammenarbeit, die zu Beginn der 90er Jahre mit dem Anruf eines Headhunters und einer denkwürdigen Begegnung mit Volker Schlöndorff in der Eingangshalle des Hauptgebäudes der Compagnie Générale des Eaux in Paris begann... WS.

PS. Der ausführlichste Bericht dieses Tage findet sich auf der Seite vom "manager-magazin.de", und liest sich wie folgt:

Berlin - Der französische Medien- und Unterhaltungskonzern Vivendi Universal hat die Filmstudios Babelsberg für den symbolischen Preis von einem Euro an eine Investorengruppe verkauft. Vivendi übernimmt dabei auch die aufgelaufenen Schulden in Höhe von 18 Millionen Euro. Käufer ist eine Gruppe um Carl Woebcken und Christoph Fisser.

In der Firmenmitteilung heißt es, laufende Projekte des Filmstudios seien von dem Verkauf nicht betroffen. Längerfristig und parallel zu dem gegenwärtigen Geschäft planten die Käufer einen Ausbau der Fernsehaktivitäten des Studios Potsdam-Babelsberg. Der Sprecher des Studios, Felix Neunzerling, sagte, er wisse über die Planungen der Investorengruppe noch "denkbar wenig". Allgemein wird nicht davon ausgegangen, dass es sich um eine Immobilien-Spekulation handelt.

Der Jurist Carl Woebcken, der auch mit der inzwischen Pleite gegangenen Pirnaer Strömungsmaschinen Industrietechnik GmbH Managementerfahrungen machte, ist Geschäftsführer der Berlin Animation Fonds GmbH & Co Produktions KG (BAF). Der Trickfilm-Fonds wurde 1999 von der Dresdner Bank aufgelegt.

Zuletzt war der Fonds jedoch durch eine Klage aufgefallen. Ein Anleger der BAF verklagte das Institut auf Schadenersatz. Der Kläger fühle sich durch Aussagen im Verkaufsprospekt der BAF vorsätzlich getäuscht, heißt es in der Klageschrift. Die Geschäftsführung hält die Vorwürfe für haltlos, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Tatsächlich hinkt die BAF allerdings mit der Umsetzung von sieben Zeichentrickfilmen und einem Kinofilm hinterher. Die Produktion nehme mehr Zeit in Anspruch, heißt es in Presseberichten. In der Folge brauche die BAF mehr Geld, Erlöse und Ausschüttung sollen also später folgen.

Neben der Klage des Anlegers soll die Anwaltskanzlei des Klägers, Doerr Kühn Plück Makki & Thoeren, auch eine Strafanzeige wegen des Verdachts des Subventionsbetrugs gestellt haben, schrieb die "FAZ" vor einigen Wochen. Dabei dreht sich alles um Fördermittel, die die Investitionsbank Berlin (IBB) der BAF zur Verfügung stellte. Strittig ist demnach, ob die BAF die dafür erforderlichen Bedingungen erfüllt habe, heißt es. Da ein Teil der Filme in Korea, Vietnam und China hergestellt werden, lagen die erforderlichen Regionaleffekte einem Gutachten von Deloitte & Touche aus dem Jahr 2002 zufolge jedoch bei nur 17,14 Prozent.

Volker Schlöndorff, Regisseur von "Die Blechtrommel" und "Die verlorene Ehre der Katharina Blum, habe von einem "Spiel mit lauter Unbekannten" gesprochen, schreibt die "Berliner Morgenpost". Schlöndorff leitet das Studio Babelsberg seit 1998. Skeptisch äußerte sich der Geschäftsführer in der Zeitung gegenüber der Aussage der neuen Besitzer, mehr Fernsehsendungen produzieren zu wollen. Das zeige, dass sich die neuen Eigentümer "in der Branche nicht auskennen oder mit einem Sender verbandelt sind".

Der aus München kommende Christoph Fisser ist Geschäftsführer der Atelierbetriebe Schwabing. Fisser wurde bekannt als er 1992 eine große Lichterkette gegen Fremdenhass organisierte. Er gewann dafür den Medienpreis Bambi.

Derweil soll aus Regierungskreisen in Brandenburg signalisiert worden sein, dass man offen für Gespräche sei, um zukunftsweisende Maßnahmen für die Studios zu optimieren, schreibt die "Berliner Morgenpost". Der Oberbürgermeister von Postdam, Jann Jakobs (SPD) unterstrich, dass sichergestellt sein müsse, dass in Babelsberg weiterhin Filme gedreht werden sollten.

Der Investitionsbedarf in das Studio in Potsdam gilt jedoch als hoch. Zwar übernahm Vivendi die Schulden, das Beratungsunternehmen McKinsey errechnete aber für die Studios notwendige Investitionen von 40 bis 50 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren. Alleine die Instandhaltung der Bauten und der vorhanden Technik koste schon 17,5 Millionen Euro. Aus Fördergeldern ließen sich jedoch nur 30 Prozent der Kosten decken, berichtet die "Financial Times Deutschland".

"Wir wollen Babelsberg als Filmstandort erhalten", sagte der Geschäftsführer der Studio Atelierbetriebe Schwabing, Christoph Fisser, am Mittwoch der dpa. Über die weiteren Pläne sollen laut Fisser zunächst Betriebsrat und das Management informiert werden. Letzteres solle normal weiter arbeiten. "Wir müssen uns zunächst noch ein genaueres Bild der Lage machen", sagte Fisser. Der neue Eigentümer wird für nächste Woche in der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam erwartet. "Dann werden wir sicher mehr erfahren", sagte Studio-Sprecher Neunzerling zu möglichen Absichten und Plänen der neuen Besitzer.

Vivendi hatte den Verkauf des Studios Babelsberg schon seit Monaten betrieben. Die Veräußerung ist Teil der Strategie des Mischkonzerns, sich von verlustschreibenden Sparten zu trennen, um den Schuldenberg abzubauen. Im Mai hatte Vivendi seine Schulden auf sieben Milliarden Euro beziffert. Auch das Studio Hamburg interessierte sich zwischenzeitlich für die traditionsreichen Studios in Potsdam.

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