X1-Test, Teil 1

0.

Diese ultimative Test-Text beginnt in der Nacht vom Samstag auf Sonntag, den 22. Juli 2018. Der erste Tag nach dem Urlaubsende, der zunächst nur mit den vielen nitty gritty things daherkam und eigentlich kurz nach Mitternacht endlich beendet werden sollte.

Wenn da nicht noch ein Karton neben dem Berg ungeöffneter Post gelegen hätte, an dessen Aussenfront schon am Aufkleber zu erkennen war, dass sich darin wohl in Laptop von LENOVO verbergen würde.

Also nochmals alle Lichter gesetzt und einen der eigenen Rechner angeworfen, um diese erste von Neugierde geprägte Nacht-Aktion zu dokumentieren.

1.

Das Unboxing the X1 - Chapter fällt ebenso knapp wie überzeugend aus. Die Verpackung wirkt hochwertig, Rechner und Zubehör sind in zwei Abteilungen unterteilt, der Rechner in einer Schutzhülle, die sich schnell abstreifen lässt, um das Teil unverzüglich starten zu können.

Ganz entgegen der Regel, dass Start- und Installationsvorgänge immer mit einem angeschlossenen Netzgerät durchgeführt werden soll(t)en, wird hier einfach nur geschaut, wo vorne und hinten ist, und das Teil aufgeklappt.

Ein spiegelnder Bildschirm? Ja, ein spiegelnder Bildschirm! Aber darunter eine wunderbar breite Tastatur, wenn auch ohne eine eigene Abteilung für die Zahleneingabe.

Der Startknopf ist eindeutig auszumachen - und alsbald bittet die Ajax-Perlenkreiselspirale um Geduld vor / für die Erstinstallation - durch "Cortana"? Ja, das erste, was es zu sehen gibt, ist das Angebot, dieses Software zu nutzen und per Sprachsteuerung den weiteren Vorgang voranzutreiben.

2.

Dieses Angebot - um nicht zu sagen, diese Aufforderung - wird abgelehnt und der Assistent fragt nun über den Bildschirmtext die nächsten Etappen ab.

"Ist diese das richtige Tastaturlayout" lautet die Frage. Und der deutschsprachige Nutzer (die Nutzerin :-) kann zwischen "Deutsch", "Deutsch (IBM)", und "Deutsch (Schweiz)" auswählen.

Was ist der Unterschied zwischen "Deutsch" und "Deutsch (IBM)"?

Ausgewählt wird die Variante "Deutsch (IBM)" - eigentlich aber nur aus dem Grunde, da die Lenovo-Entwicklung auf jenen der Vorläufergesellschaft IBM aufsetzt.

Die Frage nach der Sprache für das zweite Tastaturlayout wird mit "Deutsch (Deutschland)" beantwortet.

Da die Sprachsteuerung aber noch nicht ganz und gar deaktiviert ist, wird die Frage: "Welche Sprache möchten Sie für das zweite Tastaturlayout verwenden" wiedergegeben mit einer Frauenstimme, die sagt: "Welche Sprache möchtest Du für das zweite Tastaturlayout verwenden?"

Und die auf dem Bildschirm angezeigte Frage: "Welches Tastaturlayout möchten Sie verwenden" wird von der Frauenstimme wiedergegeben mit: "Welches Tastaturlayout möchtest Du hinzufügen?"

3.

Die schriftliche Ansage: "Lassen Sie sich mit einem Netzwerk verbinden" wird von der Frauenstimme noch weiter ausgeführt mit Erläuterungen wie: "Auf diese Art und Weise kannst Du so schnell als möglich ... Katzenvideos erhalten" (sic!).

Das hauseigene Netzwerk wird identifiziert und die "Anmeldeinformationen" sollen eingetragen werden. Für den von unserem Büro für diese Zwecke vorbereiteten QR-Code gibt es keine Annahmenmöglichkeit. Also werden die Daten händisch eingetragen.

Der Versuch, die Computerstimme im laufenden Installationsbetrieb abzuschalten, misslingt. Und so muss man sich auch noch die Drohung anhören, dass man das Betriebssystem Windows 10 in der Aktualisierung vom Februar 2018 nur verwenden könne, wenn "Du" der Vereinbarung zustimmst...

4.

Nun ist zu entscheiden, ob das Gerät auf ein persönliches Microsoft-Konto zugeschnitten wird, oder für eine Organisation. Also unser Büro.

Der Domain-Name wird abgefragt, das Kennwort. Und drei Sicherheitsabfragen sind zu beantworten: Nach dem Geburtsort, dem Spitznamen, den man als Kind bekommen hatte, und dem Namen der ersten Schule (die es heute schon gar nicht mehr gibt ;-)

Die "Windows Hello" - Konfigurationsanfrage wird (zunächst) übersprungen.

Cortana wir jetzt doch gekillt, die Standortdaten dürfen nicht übergeben werden, die Gerätesuche wird deaktiviert, das Angebot einer vollständigen Diagnose durch Microsoft wird nicht angenommen, die Daten für eine bessere Spracherkennung werden nicht freigegeben, Tipps sollen nicht angezeigt werden, auch keine Werbe-IDs.

Das war’s. Und das es bereits eine eigene Lenovo Profil-ID gibt, wird auch dieses Angebot, diese hier neu einzurichten, übersprungen.

5.

Und weiter geht’s im Text: "Hallo, wir bereiten alles für Dich vor. Dies kann einige Minuten dauern. Schalten Sie den PC nicht aus. Fast geschafft." Und dann poppt ein Browser auf und meldet: "Willkommen beim besten Windows aller Zeiten."

Dennoch wird der Edge-Browser wird geschlossen und stattdessen zunächst einmal die noch zur Verfügung stehende Batterie-Leistung abgefragt: diese wird mit 90% für 5 Stunden Betriebsdauer angegeben. Dann wird der Virenschutzscanner aktualisiert. Die Forderung, dafür ein One-Drive-Konto zu eröffnen wird nicht befolgt, und schliesslich verlischt diese Aufforderung von selbst wieder.

Es ist 2 Uhr und 18 Minuten. Der Rechner wird noch einmal heruntergefahren und mit dem eingerichteten Nutzer-Namen und Passwort erfolgreich neu gestartet. Und dann endgültig abgeschaltet.

6.

Am nächsten Morgen wird das Gerät in der Küche ans Netz gehängt. Die Küche hat sich - wohl nicht nur bei uns - als ein interessanter "alternativer" Arbeitsplatz herausgestellt. Und da dieser Raum sauber und aufgeräumt ist, macht es geradezu Vergnügen zu sehen, wie das Gerät beginnt, sich selber zu versorgen.

Strom.

Dafür werden nun zum ersten Mal die anderen Boxen in dem verbleibenden Kartons geöffnet, das Kaltgerätekabel samt Netzgerät zusammengesteckt und dieses dann mit dem Rechner verbunden.

Aber wo kann man sehen, dass jetzt ein Ladevorgang einsetzt? Nirgends. Oder doch einen kleinen Leuchtpunkt übersehen? Zur Sicherheit wird dann doch die Haube geöffnet und das Betriebssystem gestartet. Und wenn man dann mit der Maus auf das Batterie-(eigentlich Akku-)Ikon fährt, dann ist zu sehen, dass das Gerät geladen wird.

Software.

Aber es passieren noch viele andere Sachen mehr. Zeitweise beginnt der Lüfter laut zu schnurren, sowohl Microsoft als auch Lenovos fragen auf dem Bildschirm an, ob irgendwelche Updates eingespielt werden sollen. Jetzt kommt sogar erstmals Lenovo massiv ins Spiel und will sogar ein BIOS-Update durchführen.

An diesem Punkt wird ein zweiter Mobilrechner hinzugezogen, ein hp-EliteBook 8470p. Auch dieser wird gestartet. Und darauf begonnen, Protokoll über das bisherige Geschehen zu schreiben.

Während dieses geschieht, beginnt der Lüfter erneut zu surren, dann sind Klingeltöne zu hören. Und dann wird der Bildschirm des X1 einfach schwarz.

7.

Nein, das ist jetzt kein nur Lenovo betreffender Zwischenkommentar. Aber es nervt:

Bei der zuvor beschriebenen Erstinstallation quatsch einem ständig jemand rein und mach "Vorschläge", wie jetzt weiter zu verfahren ist. Und es bedarf schon einer gewissen Vorerfahrung und Kompetenz, dass man sich davon jetzt nicht einfach einlullen lässt.

Sobald aber diese Installation abgeschlossen ist, nimmt es mit der Entmündigung des Nutzers nochmals einen ganzen Zacken zu: All diese Updates - oder sogar Upgrades - mögen ja allesamt richtig und wichtig sein. Dennoch ist es ein Unding, dass die Inbetriebnahme dieser Dienste offensichtlich automatisch erfolgt. Bis zum visuellen Gau: ein black-scren, in dem sich die japanische Küchenlampe hell und freundlich spiegelt.

Der Rechner ist aus. die Realität hat Dich wieder. Und einmal mehr tritt die Forderung nach einem konsequenten opt-in statt dem vorinstallierten opt-out in den Vordergrund.

8.

Während dieser Text entsteht, ist der X1 - Bildschirm inzwischen mehr als 10 Minuten schwarz. Dass sich das Ding jetzt noch irgendwann von selber wieder in Betrieb setzen wird, ist unwahrscheinlich. Also wird erneut der Startkopf gedrückt. Dieser hat in seinem Zentrum ein kleines weisses Lichtlein, das verglimmt und wieder aufscheint.

Und was gibt es nach dem Drücken dieses Knopfes zu sehen: einen blue-screen. Wie in alten Zeiten?! Jetzt wird erst einmal der Saecco Kaffeeautomat in Betrieb gesetzt, und der leckere heissdampfende Arabika samt Crema helfen, sich nicht allzu sehr von den Erlebnissen vergangener Jahre beeindrucken zu lassen, die in einem solchen Moment wieder in die Erinnerung kommen.

Nach ca. 1 Minute zeigt der Bildschirm eine Foto. Dann kommt ein weiterer Klingelton und dann - erneut - ein black-screen.

Die mit der Nervosität verbundene Warterei führt zumindest dazu, ein weiteres kleines Lichtlein zu entdecken, das neben dem Stromzufuhrport am Rechner leuchtet. Ob es jetzt allerdings sagen will, dass der Rechner weiter geladen wird, oder nur, dass an ihm Strom angelegt ist, kann daraus nicht abgelesen werden.

Wir lassen das Teil jetzt mit seinen Geheimnissen allein in der Küche stehen. Sollte die "Stromleuchte" nach einer Stunde immer noch "on" sein, wird offensichtlich nur gezeigt, dass Strom anliegt. Und sollte der Bildschirm dann immer noch schwarz sein, wird es wohl not-wendig sein, erneut den Startknopf zu aktivieren.

9.

Kommt Zeit - kommt Rat? Anstatt sich noch weiter mit diesem ja selbst zum Versuch aus-gewählten IA-Self-Service-Thema zu befassen, wird einen dritten Rechner angeworfen [1] und das erste Draft für einen neuen Text - ausgerechnet - zum Thema "Digitale Kompetenz" fertiggestellt [2].

Nachdem diese Wartezeit also mit produktiveren Aufgaben überbrückt werden konnte, wird der Rechner in der Tag nochmals neu gestartet... und alles ist schick.

Dabei haben wir uns eigentlich bislang eher mit den Microsoft-Angeboten beschäftigt und noch gar nicht so sehr mit dem Rechner. Ausser dass der spiegelnde Bildschirm zwar jetzt für einen Test in Ordnung gehen mag, aber die persönliche Wahl eher für einen matten Screen ausfallen würde. Es gibt auch weitere Kleinigkeiten die stören. Zum Beispiel, dass die Maus-Klick-Funktionen jetzt in das Mousepad integriert sind und das jedes Anfassen des Rechners sofort Fingerspitzenspuren auf dem mattschwarzen Carbon-Gehäuse hinterlässt... aber all das ist für den Moment geschenkt.

10.

Wir machen hier zunächst einmal Schluss und kündigen zugleich demnächst an dieser Stelle einen zweiten Bericht an, in dem es dann wirklich um den Rechner selber geht.

WS.

THE VERGE: Lenovo ThinkPad X1 Carbon (2018) review: business in the front, business in the back
It’s peak ThinkPad
By Dan Seifert@dcseifert Apr 12, 2018, 8:30am EDT
Photography by Amelia Holowaty Krales

[1An diesem wird beim Start ein Adobe Flash Player - Update zur Installation angeboten. Und dabei - im Gegensatz zu früheren Versionen - "das kostenlose Programm McAfee Security Scan Plus" zur Installation angeboten. Und zwar nur für den Fall, dass man dies mit einem Haken auf den dafür vorgesehenen Kästchen bestätigt. Und dass im Verlauf der Installation zur Wahl steht, ob diese in Zukunft direkt durch Adobe initialisiert werden kann oder nur als Benachrichtigung angezeigt werden soll, das geht voll in Ordnung. Ja. So muss opt-in sein!

[2Und dabei der Versuchung widerstanden, die potenziellen LeserInnen mit den Buzzwords von Agilität und New Work, von Design Thinking und Scrum-Management zu malträtieren...