DLR: Wie werde ich glücklich?

1.

Wie schaffen wir das, Zorn, Wut, Ärger zu vermeiden? Gerade in sehr schwierigen Lagen ist es notwendig, sich auf sich selbst zurückzuziehen und auf das zu konzentrieren, was hilft, die aktuellen Auseinandersetzungen zu bestehen.

Heute: Dr. Albert Kitzler, u.a. Gründer der philosophischen Schule "Maß und Mitte", im Gespräch mit Britta Bürger. Oder muss es heissen: Britta Bürger im Gespräch mit Albert Kitzler?

Im Deutschlandradio Kultur wird - wie an jedem Vormittag - eine Person zum Gespräch eingeladen, die sich im Verlauf der Unterredung als Persönlichkeit erweist, die es "wert ist" öffentlich befragt zu werden.

Ob es dazu immer der Zwischenmusiken - die jetzt sogar in den Info-Sendungen eingeführt werden - bedarf, mag dahingestellt sein.

Viel entscheidender ist die Frage, wer kann sich in der Zeit von 9 und 10 Uhr den Luxus erlauben, eine ganze Stunde Radio zu hören, um zu erfahren, wie sich so ein Mann wie Albert Kitzler mit den wesentlichen Fragen des Lebens auseinandergesetzt hat.

Durch Kontemplation, Alleinsein, Disziplin, Zielstrebigkeit - und jenseits jeglicher Denkfabriken...

2.

Die wesentlichen Frage der Zukunft würden gar nicht mehr "richtig diskutiert" werden, so Raue. Etwa: "... was bedeutet uns denn tatsächlich die Heimat?" "... was bedeutet für uns die Identität?" "... was bedeutet für uns Nation?" ... wie steht es um die Zukunft der Medienfreiheit?

Intendant Raue fragt uns auf der hier vorgestellten Webseite nach den Ideen, über die wir in den nächsten Jahren diskutieren sollten. Und auf der gleichen Seite rechts daneben findet sich das Angebot, die BUNDESWEITE IMAGEKAMPAGNE des Senders anzusehen: Unabhängig. Unverzichtbar.. Und Antworten zu finden auf Fragen wie:

Wie wichtig ist unseren Hörerinnen und Hörern ein unabhängiger Qualitätsjournalismus? Welche Bedeutung haben Themenvielfalt, ein breites Meinungsspektrum und kritische Berichterstattung? Was macht das Programm von Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova für Sie aus?

3.

Und was sind die Deutschlandradio-Programme für Sie? Schreiben Sie uns, rufen Sie uns an oder schicken Sie uns ein Video oder Bild:
Hörerservice
Telefon: 0221 - 345 18 31
Fax: 0221 - 345 18 39
Mail:hoererservice@deutschlandradio.de
Stichwort "Unverzichtbar"
Einsendeschluss ist der 6. August 2018.

Aber warum, bitte, soll ich mich dort an-melden? Damit 15 Sekunden lang in einem Video-Clip-Format (Bewegt-)Bilder von mir gezeigt werden? Zusammen mit einer Textzeile wie:

— "Mein Hörsaal für unterwegs."
— "Meine tägliche Dosis Kritik."
— "Meine täglichen Anreger und Aufreger."
— "Mein privater Konzertsaal."
— "Meine Mitstreiter für Pressefreiheit."
— "Mein Universum der Stimmen."
— "Mein Navi durch das Informationschaos."

1968 hatte Andy Warhol von seiner Sicht auf die Zukunft gesprochen und erklärt: "In the future everyone will be world-famous for 15 minutes" [1] - heute sind aus den 15 Minuten 15 Sekunden geworden, und aus einem weltumspannenden Medium die vom Deutschlandradio bereitgestellte Internet-Plattform...

4.

Womit wir wieder beim Ausgangspunkt und Zielpunkt dieses ersten Beitrags wären: Macht es dich glücklich, jetzt eine Stunde darüber befragt worden zu sein, was einen glücklich machen kann?

Die aus Sicht der HörerInnen entscheidende Frage lautet: Wer hat ein Anrecht auf eine Stunde Programmzeit, und wer auf 15 Sekunden? Und die Antwort ist klar und einfach. Für die 1 Stunde musst Du angerufen werden, für die 15 Sekunden musst Du anrufen.

Oder eben, wie wir es an dieser Stelle weiterhin versuchen werden: 15 Beiträge schreiben, die sich immer wieder neu in diesem Spannnungsfeld von redaktioneller Arbeit und dem Versuch platzieren, selbst etwas sagen zu wollen, weil man glaubt, etwas zum Sagen zu haben.

[1Das so oft wiederholte und vielmals kolportierte Zitat ist Teil einer Publikation von Harcourt Brace Jovanovich: The Philosophy of Andy Warhol (From A to B & Back Again). New York: ISBN 0-15-189050-1.
Was vielen nicht bekannt ist, ist dieser Hintergrund aus dem 5. Kapitel "Fame":

"Before I was shot, I always thought that I was more half-there than all-there - I always suspected that I was watching TV instead of living life. People sometimes say that the way things happen in the movies is unreal, but actually it’s the way things happen to you in life that’s unreal. The movies make emotions look so strong and real, whereas when things really do happen to you, it’s like watching television - you don’t feel anything. Right when I was being shot and ever since, I knew that I was watching television."

Vor dem Hintergrund der Matrix der öffentlichen Wahrnehmung - sprich: der Wahrnehmung der Öffentlichkeit und der Wahrnehmung in und durch die Öffentlichkeit - geht es um nicht weniger als um die Frage nach Leben und Tod. WS.