"Hartz 4" "Agenda 2010"
"100 Jahre Hitler"

Foto (AP) - Berlin (dpa) - Mit so genannten Montagsdemonstrationen in zahlreichen Städten haben zehntausende Menschen vor allem in Ostdeutschland gegen die Arbeitsmarktreform Hartz IV mobil gemacht. Aber auch im Ruhrgebiet gingen am Abend Hunderte zu Kundgebungen gegen Hartz IV und die «Agenda 2010» auf die Straße. Allein in Sachsen-Anhalt beteiligten sich rund 20000 Menschen. Dort hatte die Protestwelle vor zwei Wochen begonnen. Die Bundesregierung will den Demonstrationen mehr und bessere Aufklärung entgegensetzen.

DATEN: 100 JAHRE ADOLF HITLER - DIE LETZTE STUNDE IM FÜHRERBUNKER, 1988/89
Regie: Christoph Schlingensief. Regie-Assistenz: Uli Hanisch, Ariane Traub. Buch: Christoph Schlingensief; nach seinem Theaterstück. Kamera: Foxi Bärenklau. Kamera-Assistenz, Standfotos: Christian Deubel. Ausstattung: Uli Hanisch. Requisite: Ariane Traub. Schnitt: Thekla von Mülheim (= Christoph Schlingensief); Assistenz: Volker Bertzky. Ton: Günther Knon; Überspielung: Andreas Wölki. Mischung, Musik: Tom Dokoupil.
Darsteller: Volker Spengler, Brigitte Kausch, Margit Carstensen, Dietrich Kuhlbrodt, Alfred Edel, Andreas Kunze, Udo Kier, Marie-Lou Sellem, Asia Verdi, diverse Kinder, ein Hund.
Produktion: DEM Filmproduktion, MŸlheim / Hymen II; mit Unterstützung von Madeleine Remy Filmproduktion, Berlin/West. Produzent: Christoph Schlingensief. Produktionsleitung: Christian Fürst, Ruth Bamberg. Drehzeit: 28.11.1988 (8.30 Uhr) - 29.11.1988 (2.30 Uhr). Drehort: Mülheim (Bunker Bergstrasse). Länge: 60 min. Format: 16mm, s/w, 1:1.33. Uraufführung: 18.2.1989, Berlin (IFF - Forum).

— Szenen mit Dieter Lersch und Volker Bertzky fanden im fertigen Film keine Verwendung.

INHALT: Der 60-Minuten-Film 1OO JAHRE ADOLF HITLER (1989) wurde an einem einzigen Tag gedreht und kommt damit einer Live-Ereignis schon ziemlich nahe. Charakteristisch für das Schlingensiefsche Cinema direct ist der lieblos wirkende und dabei doch sehr präzise Schnitt. Er kennt keine fließenden Übergänge, sondern prägt den andauernd bruchstückhaften Charakter der Filmhandlung. Diesen finden wir später - beinahe identisch - in Schlingensiefs Theaterarbeiten, insbesondere auch in seinen TV-Shows (TALK 2OOO, U 3OOO) wieder.
Die Leinwand ist für das Dargestellte unweigerlich zu klein; ungenügend groß werden bald schon Bühnen und Fernsehstudios sein. Spätestens seit 1OO JAHRE ADOLF HITLER ist das Überschreiten von Konventionen, von Wert- und Moralvorstellungen, das schnell ins Peinliche und Entblößende entgleiten kann, beständige Thematik von Schlingensiefs (Film-)Arbeiten.
Bloßgestellt wird jedoch niemals der Einzelne, es ist immer die Gesamtheit der Menschen - auf und vor (!) der Leinwand - als zufällige gesellschaftliche Auswahl.
1OO JAHRE ADOLF HITLER ist Schlingensiefs bis dorthin wichtigster und viel beachtetster Film. Er bringt ihm seitens seiner Fürsprecher den Ruf ein, "der letzte deutsche Heimatfilmer" (G. Seeßlen) zu sein, der mittels Brüskierung Aufruhr entfacht, um Harmonie und schließlich Heimat zu finden. Mit der Hitlerfigur, die von nun an häufig in seine Arbeit `einmarschiert’, legt Schlingensief die Hand - sprich die Kamera, die Handkamera - in die offenste aller deutschen Wunden. Hier ist Hitler keine vergangene Personalkatastrophe, sondern die Fratze des absurden Menschen an sich, der sich als elternlos, als höheres Wesen begreift, dessen völlige Monstrosität jedoch nicht in die Anstalt, sondern an die Macht führt und drauflos wütet.
Man begreift 1OO JAHR ADOLF HITLER weniger durch die Frage, wo der Film hin will, was er `erreichen’ will, sondern eher durch die Frage, wovor sie weglaufen, vor wem sie fliehen - und dabei eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

EPD FILM: “Schlingensief hat schon viele Filme gemacht, die bei den Mitwirkenden und Zuschauern die Schmerzgrenze berühren. Die Banalität des Bösen, hier wird sie zum Ereignis.”

Zitiert nach der Website:
http://www.schlingensief.com/schlingensief/html/filme/hitler.html