Erste Bilder von "Der Untergang"

Schon wieder ist von den "100 Jahren danach" die Rede. Dieses Mal im Zusammenhang mit einem Film, der am 11. August erstmals einer ausgesuchten Öffentlichkeit in Berlin vorgestellt wurde: durch den Produzenten Bernd Eichinger und den Regisseur Hans-Jürgen Syberberg.

Hans-Georg Rodek war bei dieser Präsentation dabei und schreibt darüber in "Die Welt"

"Meine Herren", munterte Dr. Goebbels seine Mitarbeiter am 17. April 1945 auf - zwei Wochen vor dem Ende im Führerbunker - "in 100 Jahren wird man einen schönen Farbfilm über die schrecklichen Tage zeigen, die wir durchleben. Möchten Sie nicht in darin eine Rolle spielen? Halten Sie jetzt durch, damit die Zuschauer in 100 Jahren nicht johlen und pfeifen, wenn Sie auf der Leinwand erscheinen."

Der Minister war zu pessimistisch. Es hat nicht 100 Jahre gedauert, bis dieser schöne Farbfilm zu sehen ist, sondern nur 59. Nun bekam die Öffentlichkeit ein erstes Schnipsel zu Gesicht, gerade 600 Meter vom schuttverfüllten Führerbunker entfernt, im Dresdner-Bank-Atrium am Brandenburger Tor.

Die Frage ist, ob dies dem Minister gefallen hätte. Nicht Ulrich Matthes’ Goebbels. Der Ort. Die Dresdner war es gewesen - genauer: die Kölner Filiale -, wo der junge Goebbels 1923 neun Monate einen Mini-Job bekleidete, als Ausrufer von Börsenkursen (was ihm verhasst war).

Doch er hätte sicher nichts gegen die Maxime von Produzent Bernd Eichinger einzuwenden, die er bei der früheren Hausbank der SS verkündete: "Ich möchte die Zuschauer ergreifen, ohne zu moralisieren." Er stelle keine Fragen, sondern bewerfe das Publikum mit Tatsachen. Bloß keine Urteile.

Eichinger gegenüber saß einer aus jener Generation, die noch Wertungen in Filme über den Nationalsozialismus einbaute. Hans-Jürgen Syberberg drehte 1976 "Hitler - Ein Film aus Deutschland" und rang einst mit sich, ob er Hitler überhaupt von einem Schauspieler darstellen lassen könne; das Original sei doch schon ein Ausbund an Theatralik gewesen. Syberberg ließ schließlich den toten Hitler - Heinz Schubert - aus Wagners Grab auferstehen, eine mythologische Verfremdung, gegen die Eichingers Faktizismus von einem anderen Planeten stammt.

"Der Untergang" wird vor allem zeigen, wie sich der Planet Deutschland in drei Jahrzehnten verändert hat. Syberberg findet, dass Bruno Ganz’ faktischer Hitler nun möglich sei. 200 Meter von der Dresdner entfernt wächst über dem versiegelten Dienstbunker des Dr. Goebbels das Holocaust-Mahnmal. Und 600 Meter von der Dresdner, im Kanzleramt, machen sich - ganz andere - Politiker Gedanken, ob die Geschichte über sie johlen wird. Nun müssten nur noch die Dresdner kostenlose Suppenküchen in Berlin eröffnen. Wie im Jahr 1934.

"Der Untergang", in Farbe. Deutsche Momente.
In: "Die Welt" vom 12. August 2004

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v.l.n.r.: Juliane Köhler als Eva Braun - Bruno Ganz als Adolf Hitler - Heino Ferch als Albert Speer. Quelle: Constantin Film

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PS_2: In einem Leserbrief der Hinweis auf eine längere Abhandlung im Feuilleton der ZEIT 44/2004 von Wim Wenders .

PS_3: In einem Leserbrief der Hinweis auf die "Verballhornung" bei Walter Moers, ausgestrahlt in der ASPEKTE-Sendung des ZDF im Juli 2006 und selber nachzusehen unter www.youtube.com