In eigener Sache: Journalisten & Blogger

Heute wird aus der von uns abonierten NETZEITUNG "abgekupfert"
und ohne Wenn und Aber der unter der URL:
http://www.netzeitung.de/medien/308916.html
veröffentlichte Artikel von Jeff Jarvis zitiert, der da lautet:

Journalisten und Blogger sind keine Konkurrenz

Weblogs sind das Beste was dem Journalismus seit seiner Erfindung passiert ist - nur wollen das die meisten Journalisten nicht zugeben.

Dan Rather, der Chefsprecher des amerikanischen Senders CBS, ist ein gutes Beispiel. Nur wenige Stunden nachdem ein Bericht über die Militärzeit von Präsident Bush gesendet wurde, der sich auf angeblich neu aufgetauchte Dokumente stützte, hatten Blogger diese Dokumente als plumpe Fälschungen enttarnt. Rather beschwerte sich über einen «Gegenangriff» von «politischen Partisanen». Eigentlich hätte er sich bedanken sollen. Er hätte sehen müssen, dass Blogger bei der Wahrheitsfindung helfen können. Im Endeffekt soll Journalismus doch Wahrheiten liefern.

Blogger sind im Prinzip Bürger mit Druckpressen. Das gibt ihnen ihre neue Macht. Sie können, wie der Blogger Ken Layne sagt, «Fakten bis aufs Letzte auseinandernehmen».

Bessere Lokalberichterstattung

Und sie können berichten. Blogger haben Augenzeugenberichte und Fotos von Ereignissen aller Art gepostet. Seien es Brände sei es Politik, sie ermöglichen Zeitungen eine bessere Lokalberichterstattung.

Am wichtigsten ist aber, dass diese Leute Journalisten mitteilen, wie die Bevölkerung denkt. Nachrichten werden so von einer Einbahnstraße zu einem konstruktiven Austausch mit den Lesern.

Zuhören

Kluge Journalisten werden Bloggern zuhören um zu erfahren was die Leser denken, und um Ideen für Storys zu bekommen. Kluge Blogger werden erkennen, dass Journalisten hart arbeiten und teilweise sogar ihr Leben riskieren um Nachrichten zu den Lesern zu bringen. Sie haben die Ressourcen, die Ausbildung, den Zugang und die professionellen Standards die nicht jeder haben kann. Blogger und Journalisten sind keine Konkurrenz - zumindest sollten sie nicht konkurrieren. Vielmehr haben sie unterschiedliche Ansätze, mit denen sie gemeinsam die Nachrichten besser machen können.

Ich bin Journalist und Blogger. Durch Blogs haben sich mein Leben und meine Karriere grundlegend verändert. Ich habe jetzt mehr Respekt für das Wissen, das durch Pluralität und Demokratie entsteht. Ich habe sehr viel von anderen Bloggern auf der ganzen Welt gelernt. Vor einigen Jahren begann ich, deutsche Blogs zu lesen und zu verlinken. Dadurch entstanden Gespräche und Freundschaften, die sonst nie entstanden wären. Daraufhin stieß ich auf die unglaubliche Blog-Kultur im Iran und wurde im Gegenzug von den Pionieren der irakischen Blogs entdeckt, die jetzt in der Nationalversammlung sitzen.

Auf den Nachrichtenseiten für Lokales, die ich betreue, versorgen uns Blogger mit Lokalnachrichten und neuen Ansätzen, die wir niemals hätten alleine zusammentragen können. Dadurch können wir sowohl unsere Berichterstattung als auch unseren Leserkreis erweitern. Auf diese Weise könnten Blogger den Journalismus sogar vor der ökonomischen Bedrohung sinkender Werbeeinnahmen retten.

Die Illusion der Objektivität

In den USA haben wir, stärker als in Europa, daran geglaubt, dass Berichterstattung objektiv sein solle. Die Blogger lehren uns nun wie schwierig, wenn nicht gar unmöglich dieses Ideal zu erreichen ist - und vielleicht ist es auch gar nicht so erstrebenswert. Der Sender Fox hat mit seinen Nachrichtensendungen die höchsten Einschaltquoten, weil er einen Standpunkt hat. Am anderen Ende der politischen Skala gewinnt die Londoner Zeitung «Guardian» mit ihrem Onlineangebot viele Leser aus den USA. Und Blogs sind so beliebt, weil sie den Standpunkt des Autors ins Zentrum rücken.

Journalisten können von Bloggern lernen, dass es wahrscheinlich besser ist, den eigenen Standpunkt deutlich zu machen, wenn man einen hat und wenn er relevant sein könnte. Vorhandene Ansichten nicht zu äußern ist Lügen durch Weglassen.

Transpararenz

Nach den jüngsten Skandalen im amerikanischen Journalismus, wie etwa den erfundenen Geschichten von Jason Blair in der «New York Times», gab es Forderungen von Bloggern nach einer neuen «Kultur der Transparenz»: Wir müssen unsere Voreingenommenheiten und unsere Arbeitsabläufe offen legen, inklusive der schockierenden Nachricht, dass auch Reporter und Redakteure Menschen sind und Fehler machen können.

Auf einem Treffen der führenden amerikanischen Journalisten sagte ich zu diesem Thema: «Diese Kultur der Transparenz verlangt von uns offen zu sein. Und haben wir nicht genau das schon immer von denen, über die wir schrieben verlangt? Wir haben doch Politiker und Geschäftsleuten über die wir berichteten aufgefordert, offen und ehrlich zu sein. Jetzt ist es an uns, unsere Arbeitsabläufe und unsere vorgefassten Meinungen zu enthüllen. Wir müssen uns an der Diskussion beteiligen, wir müssen an der Gesellschaft teilnehmen, wir müssen transparent sein.»

Das Prinzip Open Source

Ich glaube diese Entwicklung ist ein Nebenprodukt der Open-Source Revolution in der Computertechnik. Die Grundidee der Open-Source Bewegung besagt, wenn man das eigene Wissen uneingeschränkt mit Anderen teilt, kann man ein Produkt gemeinsam verbessern. Egal ob es sich um ein Computerprogramm, Nachrichten oder Demokratie handelt.

(Mich würde interessieren, ob Weblogs einen Einfluss auf Deutsche und Europäische Nachrichten haben. Wenn sie darüber etwas wissen, schreiben sie mir bitte eine E-Mail an: jeff@buzzmachine.com)


Dieser Eintrag hat gleich mehrfach "inter-aktive" Wirkung gezeigt.
* Dem Autor wurde eine Kopie "zugespielt"
* Auch andere DJV-Mitglieder haben sich dieses Textes angenommen
* Ein Kollege "Burks" vom Berliner Fachausschuss Multimedia hat eine Liste von "Blogs" (als Kopie aus dem JoNet) herumgeschickt: "die sich inhaltlich mit Medien beschäftigen", die wir hier gerne nochmals verbreiten unter dem Titel
"Du bist nicht allein..."

- Bildblog:
http://www.bildblog.de

- Bildsprache:
http://dominic.h2h.de/log/

- Cyberjournalist:
http://www.cyberjournalist.net

- Cyberwriter
http://cyberwriter.twoday.net/

- Die Gegenwart:
http://www.diegegenwart.de

- Dienstraum:
http://www.dienstraum.com/

- Editorix:
http://www.editorix.de

- Hypergene:
http://www.hypergene.net/blog/weblog.php

- infamy:
http://infam.antville.org/

- Jonet Medienlog:
http://log.jonet.org

- Journalism.org:
http://www.journalism.org

- Medienrauschen:
http://www.medienrauschen.de

- Medienspiegel:
http://www.medienspiegel.ch

- Netzeitung - Altpapier
http://www.netzeitung.de/servlets/p...

- notebook | onlinejournalismus:
http://www.fabianmohr.de/b/b.php

- Online Journalism Review:
http://www.ojr.org/

- Onlinejournalismus.de Logbuch:
http://www.onlinejournalismus.de/lo...

- pjnettoday:
http://pjnet.org/weblogs/pjnettoday

- Publizistik in Berlin:
http://publizistik-in-berlin.de/

- Romanesko:
http://www.poynter.org/column.asp?id=45

- Wortfeld:
http://www.wortfeld.de


Zu guter Letzt ein
"Wortfeld" -Eintrag gewidmet all jenen "Mitwirkenden und Sympathisanten" des bundesdeutschen AOL-Starts auf der IFA 1995:

Ein neues AOL-Logo
Desgrippes Gobé hat AOL ein neues Logo verpasst. Aus diesem festlichen Anlass werfen wir hier einen Blick auf die Kandidaten, die es am Ende nicht geworden sind.

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1. Das bisherige AOL-Logo. Die beiden Sicheln stehen für die Nähe des Unternehmens zum einfachen Arbeiter. Zusammen mit der Pyramide bilden sie ein Auge.

2. Der historische Vorläufer des Logos, der noch das frühere Firmenmotto („Novus Ordo Seclorum“) enthält. Leider beim Druck auf Gratis-CDs schlecht erkennbar.

3. Erster Redesign-Versuch. Das Auge bleibt in stilisierter Form erkennbar, die drei kreisförmig angeordneten Pyramiden stehen für die drei Buchstaben des Firmennamens. Leider bei Tests mit Fokusgruppen kein Erfolg.

4. Zweiter Redesign-Versuch. Der erste Buchstabe des Firmennamens und die Pyramide werden eins. Leider zu nah am Logo eines kanadischen Zeltherstellers.

5. Dritter Redesign-Versuch. Ein Dreieck in einem Kreis in einem Dreieck in einem Kreis. Leider kein Erfolg beim Management („Pac-Man frisst seine Kinder?“).

6. Letzter Redesign-Versuch. Das Auge ist wieder klarer erkennbar. Das große Dreieck wird gebildet von drei kleineren, die die neue strategische Ausrichtung des Unternehmens andeuten - nach Osten beziehungsweise Nordnordwest und Südsüdwest.


PS. Leider konnte dieser Kommentar in dem hier zitierten Weblog nicht als Beleg seiner selbst abgelegt werden.

Kommentar konnte aus den folgenden Gründen nicht abgeschickt werden:
"In an effort to curb malicious comment posting by abusive users, I’ve enabled a feature that requires a weblog commenter to wait a short amount of time before being able to post again. Please try to post your comment again in a short while. Thanks for your patience."