DB-Reise-Zentrums-Öffnungs-Zeiten

Wir soll(t)en doch nicht so viel Jammern in dieser Republik, fordern die Politiker aller Fraktionen.
Einverstanden! Also teilen wir auch ein Lob aus: an jene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Bahn, die bereit und in der Lage sind, noch mitzudenken. Und auch danach zu handeln.
Loben wir also diese heimlichen Helden der Arbeit, zumindest diejenigen, die offensichtlich noch bemüht sind, den zunehmenden Mangel noch irgendwie als "notwendiges Übel" wegzustecken [1]. Wohl - oder übel!

Wohl.

Es tut wohl, dass es einen DB-Firmendienst gibt und wir die Möglichkeit nutzen können, die Fahrkarten und Reservierungen vor der Abreise per Fax zu bestellen.

Und es ist prima, dass im Falle von Nachfragen sogar zurückgerufen wird.

Heute erhielten wir gleich drei Rückrufe. Und der letzte war der Wichtigste!

Übel.

Es tut wahrlich weh, mitzuerleben, wie sich trotz dem individuellen Bemühen um Service und Kundenbindung herausstellt, dass diese "Tugenden" der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter offensichtlich gesamtwirtschaftlich nicht (mehr) opportun sind.

Ganz konkret: Das Reise-Zentrum am Berliner Bahnhof Zoo, einst bis 23:00 Uhr geöffnet, wird Zug um Zug immer später geöffnet - und immer früher geschlossen.

Danke!

Heute wird uns - nach zwei vorangegangenen Nachfragen auf unsere Bestellung - in einem dritten Anruf mitgeteilt, dass wir die Reservierungen für den Nachtzug nach München nicht mehr unmittelbar vor Abfahrt des Zuges um 22:29 Uhr abholen können, da die Schalter jetzt bereits ab 22:00 Uhr geschlossen haben. Aber, da wir Rechnungskunde sind, könne man ja die Unterlagen beim "Service Point" [2] in der Haupthalle hinterlegen.

Hätte die Kollegin nicht angerufen und ich hätte im Bahnhof Zoo um 10 nach 10 Uhr Abends vor verschlossenen Türen gestanden: dann wäre daraus wohl eine echte Beschwerde geworden.

So aber "wandelt" sich diese in einen Dank an die Mitarbeiterin, die uns als Kunden rechtzeitig "vorgewarnt" und unaufgefordert mitgeteilt hat, dass - wieder einmal - die Leistungen ihres Hauses eingeschränkt worden sind.

Addendum:

Auch wenn die diese Kräfte bemüht sind, noch das Beste aus einer miesen Lage zu machen, wird es doch offensichtlich, dass sie es eigentlich sind, die alsbald selbst verzweifeln werden.

Man muss eigentlich nur 1 und 1 zusammenzählen um zu begreifen, dass bereits eine Stunde Arbeitszeit weniger am Abend zwangläufig die Möglichkeiten weiterer Entlassungen eröffnet.

Auch der Erwerb von Fahrkarten soll am besten weitestgehend von und über Automaten organisiert werden: ob am eigenen Rechner zuhause, im Büro oder an den Fahrkartenautomaten. Die Mensch- zu Mensch-Schnittstelle sei weitestgehend abzuschaffen, aus Kostengründen. Die Automaten können schliesslich 24 Stunden lang "im Dienst" sein, ohne Mehrkosten.

Am Montag-Abend hatte der Kanzler seinen grossen Auftritt auf dem VDE-Technologiegipfel in Berlin. Wieder einmal ist von den Ermutigungen die Rede, die der Standort braucht. Und den guten Ideen der Ingenieure.

Wann also wird die Zeit kommen, dass
* die Maschinen automatisch die Bahnfahrer über weitere verkürzte Öffnungszeiten an den Schaltern unterrichten werden,
* die Computer die auf diesem Kommunikationsweg vernachlässigten Empathiewerte als "add on" zum "download" anbieten,
* der Aufruf, positiv und optimistisch in die Zukunft zu schaun von Avataren unters Volk gebracht wird?

WS.

[1Denn es gibt sie, diese Menschen, denen es offensichtlich ein persönliches Anliegen ist, dass sich der Kunde der Deutschen Bahn als Fahr-"Gast" fühlen darf. Die letzten positiven Beispiele stammen von der Reise von Bremen nach Berlin am Freitagabend, den 12. November 2004 und betreffen in beiden Fällen das Personal in den "Bord"-Restaurants.

[2Die Modernisierung der Deutschen Bahn hat inzwischen zur Folge, dass es angebracht erscheint zu fragen, ob wir es noch mit der "deutschsprachigen Bahn" zu tun haben: am besten, wir fragen mal am "Info Center" nach ...