PRIX EUROPA: Bonjour et Bienvenu M. PFLIMLIN

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Europa hat seine besten Produktionen des Jahres gewählt:
Fernsehen - Radio - Internet.

Mit einer festlichen Abschlußveranstaltung endete der Prix Europa 2004 am 23. Oktober in Potsdam-Babelsberg. In neun Kategorien wurden insgesamt 13 Preise verliehen, die mit jeweils 6.000 Euro dotiert sind. Radio France vergab erstmals einen Preis in der Kategorie Hörspiel. Ebenfalls zum ersten Mal stiftete das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland den Prix Europa SPOT für junge Filmemacher und ihre Visionen von Europa. Der Nachwuchspreis soll im nächsten Jahr erneut ausgeschrieben werden, wie Dr. Reinhard Schwarzer, stellvertretender Leiter der Kommunikationsabteilung, ankündigte. Während der Preisverleihung rief Raina Konstantinova, Direktorin der Abteilung Radio in der Europäischen Rundfunkunion (EBU), den "Radio Day of European Cultures 2005" aus.

Der Prix Europa 2004 wurde von einer internationalen Medienkonferenz eingeleitet, deren Motto für den gesamten Wettbewerb stand: Grenzen überwinden. Mehr als 1.200 Medienvertreter, Beobachter und Gäste aus 45 Staaten kamen nach Berlin und Potsdam-Babelsberg, um die besten europäischen Produktionen des Jahres in den Medien Fernsehen, Radio und Internet zu küren. Insgesamt 245 Beiträge aus 36 Ländern waren für den einwöchigen Wettbewerb nominiert worden. EU-Kommissarin Sandra Kalniete aus Lettland hatte die persönliche Schirmherrschaft über das Festival übernommen.
Am Abend der Preisverleihung erklärte Piotr Gawel Vizepräsident von Polska Telewizja, den Beitritt des polnischen Fernsehens ins Steering Committee des Prix Europa 2005. Die "Allianz 2005" wird dann 18 Träger umfassen. Als neuer Präsident des Prix Europa ist Rémy Pflimlin nominiert. Der Generaldirektor von France 3 und Vizepräsident der Mitgliederversammlung von ARTE wird sein Amt voraussichtlich am 24. Oktober antreten. Mit Pflimlin wird der erste Medienrepräsentant diese Funktion übernehmen.

Die Gewinner des Jahres 2004 kommen aus acht Ländern

Preisgekrönt wurden Produktionen aus den Niederlanden (3 Preise), Frankreich, Norwegen und Schweden (jeweils 2 Preise) sowie aus Deutschland, Finnland, Großbritannien und erstmals auch aus Portugal (jeweils 1 Preis). Mit "Lobenden Erwähnungen" bedacht wurden Beiträge aus der Tschechischen Republik, Deutschland, Finnland, Großbritannien, Litauen, Rußland, Schweden und Slowenien.

Die inhaltliche und formale Vielfalt dieses Jahrgangs war enorm, wobei Politiker, Sportler und "Engel" aller Couleur besonders häufig als Protagonisten auftraten. Politische Biografien, Konflikte und Hintergründe wurden in allen neun Kategorien ausgeleuchtet, sie reichten von Tony Blair über Willy Brandt bis hin zu Wladimir Putin. Nachkriegszeit und Wiederaufbau traten in Beiträgen mehrerer europäischer Länder in den Blickpunkt des Interesses.

Hier die ausgezeichneten Produktionen des Jahres 2004 im Überblick:

1. Die Preise in den Fernseh-Kategorien:

- Fiction: PRIX EUROPA Fernsehprogramm des Jahres
The soloists - Schweden

- TV Fiction: PRIX EUROPA SPEZIAL
Just by chance - Portugal
Stifter und Schirmherr des Preises: Europäisches Parlament

- TV Non-Fiction: PRIX EUROPA Fernsehprogramm des Jahres
Sight (without seeing) - Frankreich

- TV Non-Fiction: PRIX EUROPA SPEZIAL
The making of Teuntje - Niederlande
Stifter und Schirmherr des Preises:
Europarat, Kongreß der Gemeinden und Regionen Europas

- TV Current Affairs: PRIX EUROPA Fernsehprogramm des Jahres
The origins of AIDS - Frankreich
Stifter und Schirmherr des Preises:
Parlamentarische Versammlung des Europarates

- TV IRIS: PRIX EUROPA IRIS Multikulturelles Fernsehprogramm des Jahres
Nabila - Schweden
Stifter und Schirmherr des Preises: Nederlandse Programma Stichting

- TV SPOT: PRIX EUROPA SPOT "My Europe"
I’m proud to be your neighbour - Deutschland
Stifter und Schirmherr des Preises:
Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland

2. Die Preise in den Hörfunk-Kategorien

- Radio Feature: PRIX EUROPA Bestes europäisches Feature 2004
Work of the devil - Norwegen

- Radio Feature: PRIX EUROPA RADIO ÖSTERREICH 1
The brown parcel - Norwegen
Stifter und Schirmherr des Preises: RADIO ÖSTERREICH 1, ORF

- Hörspiel: PRIX EUROPA Bestes europäisches Hörspiel 2004
The wire - The colony - Großbritannien

- Hörspiel: PRIX EUROPA RADIO FRANCE
And of mendicants and vagabonds - Finnland
Stifter und Schirmherr des Preises: RADIO FRANCE

3. Die Preise in den Internet-Kategorien

- Internet Fiction: PRIX EUROPA EXPLORATION
http://www.3voor12.vpro.nl
3voor 12 - The Alternative Music Platform - Niederlande

- Internet Non-Fiction: PRIX EUROPA EXPLORATION
http://www.villa-achterwerk.vpro.nl/geheimen
Schoolyard Secrets - Niederlande

Sonderveranstaltungen mit Teilnehmern und Gästen aus aller Welt

Die dreitägige Konferenz "Grenzen überwinden: Kulturen, Religionen und Medien" leitete den Prix Europa 2004 bereits am 15. Oktober ein. Teilnehmer aus über 30 Ländern, darunter Vertreter der Europäischen Legislative und Medienpraktiker aus den Rundfunkanstalten Europas, erörterten europäische Theorie und regionale Praxis, Religion auf und hinter dem Bildschirm sowie den Einfluß der Kirchen auf das Programm vor allem in Konfliktregionen und Grenzgebieten. Zu den Referenten gehörten Björn Erichsen, Director of Television of the EBU, Prof. Dr. Jo Groebel, Direktor des Europäischen Instituts für Medien, Adrian Moynes, Managing Director RTE, Irland, und Kommunikationsforscher Prof. Stewart M. Hoover von der Universität Colorado, USA. Die Konferenz wurde vom Europarat, der Europäischen Rundfunkunion (EBU) und dem Prix Europa veranstaltet.

Der offizielle Startschuß für den Prix Europa 2004 erfolgte am 16. Oktober mit einem Eröffnungskonzert der dänischen Band "Oriental Mood". Radiomultikulti vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) übertrug das Konzert aus dem Haus des Rundfunks via Satellit in 5.1-Technik live an die Rundfunkstationen des EBU-Netzwerks in über 70 Staaten der Welt.

Ein Highlight erwartete die Teilnehmer zur Halbzeit: "The Night of the IFC" (International Feature Conference). Die IFC, eine Institution für Autoren, Regisseure und Produzenten des dokumentarischen Hörfunk-Genres in der ganzen Welt, hatte Grund unter dem Dach des Prix Europa zu feiern. In fast 30 Jahren, in denen 30 Konferenzen stattfanden, gelang es der IFC nicht nur, das Feature zu revolutionieren, sondern auch ein in der Rundfunkgeschichte einzigartiges internationales Netzwerk zu schaffen. Der Prix Europa lud die IFC am 20. Oktober zu einer akustischen Zeitreise mit Zeitzeugen von allen Kontinenten ein.

Zum festlichen Finale mit Preisverleihung und anschließendem Empfang öffnete die Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg ihr Haus bereits zum fünften Mal. Durch den Abend führte RBB-Moderatorin Tatjana Jury, das internationale Kammermusikensemble "European Winds" begleitete ihn musikalisch. Zu den Gästen gehörten neben den Wettbewerbsteilnehmern aus ganz Europa u. a. EU-Kommissarin Sandra Kalniete aus Lettland, Prof. Dr. Johanna Wanka, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Rémy Pflimlin, Generaldirektor Radio France 3, Dagmar Reim, Intendantin des RBB, Piotr Gawel, Vizepräsident von Telewizja Polska.

Unter der Schirmherrschaft der EBU besteht eine breit angelegte Trägerschaft und Finanzierungsgemeinschaft des Prix Europa. Zur Allianz 2004 gehören:

- Europarat
- Europäisches Parlament
- Europäische Kommission
- Europäische Kulturstiftung
- European Broadcasting Union [EBU]
- Land Berlin
- Land Brandenburg
- Medienboard Berlin-Brandenburg
- Medienanstalt Berlin-Brandenburg
- Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland
- ARTE G.E.I.E.
- FranceTélévisions
- Nederlandse Programma Stichting
- Österreichischer Rundfunk
- Radio France
- Zweites Deutsches Fernsehen
- Rundfunk Berlin-Brandenburg

Das Präsidium hat noch bis zum 23. Oktober seinen Sitz bei der Europäischen Kulturstiftung, Amsterdam. Der RBB ist die Organisationszentrale des Wettbewerbs.

Soweit der Abschluss-Text aus der Redaktion des RBB / Prix Europa in Berlin.

Bedauerlich: wer nur an der Abschlussveranstaltung teilgenommen hatte, bekam von der Bühne sowohl von den TV- als auch den Internet-Produktionen zumindest einen mini-kleinen Ausschnitt serviert, nicht aber von den Hörfunk-Produktionen. Das ist aus Gründen der Veranstaltungsdramaturgie verständlich - und dennoch: hier sind Profis am Werk und auch hier sollte sich ein Weg finden lassen, dem Publikum ein kurzes "Hörbild" als Eindruck zu hinterlassen.

Erfreulich: es ist immer wieder wunderbar zu erleben, dass Menschen auf die Bühne geholt und geehrt werden für etwas, wofür sie viel von sich selbst eingesetzt und über sich selbst vermittelt haben. Es bewegt, die von ihren Gefühlen angerührten Personen zu sehen und ihnen zuzuhören, was sie gerade in einem solchen Moment des Glücks zu sagen haben - und wie sie mit dieser ganz besonderen Herausforderung klar kommen.

Nicht gesehen: wurden leitende Vertreter(innen) der berliner und brandenburger Einrichtungen, aber vielleicht haben sie sich ja auch nur in bemerkenswerter Zurückhaltung üben wollen - was ihnen hiermit gelungen wäre.

Endlich: war das Ost-West-Deutschland-Thema an diesem Abend kein Thema an dem Ort dieser Veranstaltung.

Und: es war sogar dafür gesorgt worden, dass die für dieses Event eingerüstete und ausstaffierte Haupthalle sogar beheizt worden war.

Fraglich: Die Sieger aller Internet-Preise kamen aus einer und der gleichen "Produktionsschmiede". Das hätte zumindest eines begleitenden Wortes von der Bühne bedurft, wie es zu diesem "Zufall" gekommen ist.

Bemerkenswert: an dieser Veranstaltung ist diese besondere, empathiebeladene Stimmung jener "Aufrechten", die sich - wie in einem Cocon wohlbewusster Selbst-Gefälligkeit - gegenseitig ihres grossen Engagenments um der "gemeinsamen Sache willen" versichern. Dieses ist ohne jegliche Hähme gemeint, aber geschrieben auf dem Hintergrund einer Woche medienpolitischen Gezänks in München, in dessem Verlauf bereits angekündigt wurde, das "Nachfrage-Monopol" der EBU ebenso in Frage zu stellen, wie die Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Allgemeinen und dessen Online-Aktivitäten im Besonderen.

WS.