"Als die Netze laufen lernten..."

Bericht und Anmerkungen zum sogenannten "Press Round Table: ’E-Culture’" um 15.30 Uhr im Filmmuseum im Sony Center in Berlin im Raum Charlottenburg zum Thema: "Als die Netze laufen lernten oder die Kinder des 21. Jahrhunderts" aus Anlass des Erscheinens des Buches "DIGITALE TRANSFORMATIONEN".

Unter der Motto: »Wer Innovationen will, braucht Menschen mit kultureller Bildung und Kenntnissen in neuen Kommunikationstechnologien!
Wie E-Culture dabei helfen kann« waren anwesend:

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Podiumsteilnehmer (von links nach rechts):
- Ralph Weiss (Macromedia Central Europe),
- Monika Fleischmann (Fraunhofer Institut für Medienkommunikation - MARS),
- Holger Schulze (Universität der Künste, Studiengang Sound Studies),
- Moderator Ulrich Bülow (ZDF Hauptstadtstudio),
- Ursula Sowa (Mitglied des Deutschen Bundestages, B90/Die Grünen),
- Mareike Reusch (3deluxe GmbH) und
- Wilhelm Krull (VolkswagenStiftung) [hier nicht im Bild]

Im Anschluss daran wurde im Skygarden des Sony Centers im Rahmen eines Empfangs das "Buchrelease’" »Digitale Transformationen« gefeiert.

Nachfolgend dazu einige Auszüge aus dem Pressetext. Danach einige persönliche Anmerkungen dazu.

Am Anfang war das Wort. Oder der Buchstabe? Oder die Zahl?

WAS hat GPS-Technologie mit einem interaktiven Krimi gemeinsam? WERDEN wir bald im Kino der Zukunft sitzen und anstatt eines Vorfilms und der Werbung gemeinsam mit den anderen im Publikum eine Runde »Unreal 5« oder »Ballance 3« zocken?

Wahrscheinlich nicht nur das, wir werden unsere Handys als Steuerinstrumente dazu nutzen können, den Spielstand darauf abspeichern und für die eingespielten Bonuspunkte die Portion Popcorn gratis bekommen!"

In der Jubiläumsausgabe "DIGITALE TRANSFORMATIONEN" finden sich weitere Statements namhafter Autoren zur digitalen Kunst und Kultur.
Es handelt sich um eine Gemeinschaftsproduktion des Fraunhofer Institut für Medienkommunikation mit dem whois verlag. Der Band wurde für Leser und Rechercheure mit Zeitnot weiterentwickelt - so entstand das erste gelesene Hör-Sachbuch mit 11 Stunden Hörtexten im mp3 Format mit Audio-CD.

HINTERGRÜNDE:

Die Herausgeberinnen sind Monika Fleischmann, Leiterin der Abteilung Media Arts Research Studies beim Fraunhofer Institut für Medienkommunikation in Sankt Augustin und Ulrike Reinhard, Inhaberin der whois verlags- & vertriebsgesellschaft Heidelberg/Berlin. Salopp formuliert: Medienkunstpionierin und Forscherin trifft Wirtschafts- und Medienjournalistin.

"DIGITALE TRANSFORMATIONEN - Medienkunst als Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft" beschäftigt sich mit den Transformationen, welche Kunst und Alltag durch digitale Vernetzung erfahren. Das hochwertige Kompendium zu aktuellen Positionen der Medienkunst beleuchtet das Zusammenspiel von Technologien, Wirtschaft, Kunst, Politik und Medien. Mit oftmals kontroversen Positionen wird der Leser per Buch und Audio CD mit der alltäglichen Vernetzung konfrontiert.

Reden wir von Kunst, Wissenschaft oder Technologien? Wie sehen sich Medienkünstler, Vermittler und Förderer? Sind Suchmaschinen mehr als programmierte Systeme?
50 herausragende Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stellen sich diesen Fragen. Partner des Projektes sind unter anderem 3deluxe, art+com, Ars Electronica, Hewlett Packard, Universität der Künste, ZKM - Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Migros Kulturprozent, SAP AG, Sony, VolkswagenStiftung.

LINKS:

-  www.whois.de/10jahre_whois

-  http://netzspannung.org/positions/digital-transformations/

Die zum 10 jährigen Bestehen des whois verlages erscheinende Jubiläumsausgabe "Digitale Transformationen - Medienkunst als Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft" (ISBN
3-934013-38-4) erscheint am 2. Dezember 2004 bei der der whois verlags- & vertriebsgesellschaft und kann ab sofort über www.whois.de/10jahre_whois vorbestellt werden.

AUSZUG/ZITATE:

"EINES Tages werden Künstler mit Kondensatoren, Widerständen & Halbleitern arbeiten, so wie sie heute mit Pinseln, Violine & Abfall arbeiten". Nam June Paik, Elektronischer Videorecorder, 1965. NIEMALS zuvor wohl hat sich die Welt der Bilder so rasant verändert wie in den letzten Jahren: Waren Bilder früher Ausnahmeerscheinungen, weitgehend dem Ritual, dem Kult, später der Kunst und dem Museum vorbehalten, sind wir im Zeitalter von Kino, Fernsehen und Internet mittlerweile eng von Bildern umstellt. Das Bild dringt in neue
Segmente: Das Fernsehen wandelt sich zum Zappingfeld, Großbildwände ziehen in unsere Städte, Handys versenden Micromovies in Echtzeit...

MULTIMEDIA ist eine Branche, die fasziniert - und oftmals von sich selbst fasziniert ist. Alles geht und jeden Tag scheint ein bisschen mehr zu gehen. Ein permanenter Strom von Entwicklungen im Hard- und Softwarebereich stellt nicht nur Möglichkeiten bereit, die ausgeschöpft werden wollen. Er gab und gibt auch dem Berufsleben vieler Menschen, die in diesem Bereich aktiv und bestimmend sind, immer wieder entscheidende Impulse. Karrieren entstehen oder verändern sich mit der Verfügbarkeit von neuer Technologie: "Es geht = ich kann = ich bin". Die Entwicklung der Technik ist ein Stück der persönlichen Entwicklung und entsprechend emotional besetzt."

Fragen und Friktionen: anstatt einer Rezension.

I.

Es ist clever und gekonnt, wenn sich die Verlegerin nach mehr als 10 Jahren kontinuierlicher Arbeit ein solches Buch-Geschenk zum Jubiläum offerieren kann - und will. In diesen harten Zeiten mit solchen "weichen Themen" wie aus dem Kunst-Bereich leben und überleben zu wollen, ist ein hartes Brot und erfordert sicherlich gelegentlich harte Bandagen.

II.

Das ist das Gute und das Gefährliche an dem Thema: in dem Jubiläumsband wird mit "whois" ein Brand gefeiert. Allein die Tatsache, sich diesem schwierigen Thema in diesen schwierigen Zeiten mit zum Teil schwierigen Leuten gestellt zu haben, fordert Respekt. Das grossformatige Volumen des Buches unterstreicht per se das Gewicht des generierten Werkes. Aber es dokumentiert damit zugleich einen enormen Anspruch, an dem es dann auch gemessen werden wird.

III.

Vieles, was nun im Einzelnen zu dieser Publikation zu sagen wäre, ist immer von diesem Pro und Contra bestimmt.
Pro: das ist die Versammlung all der Kuratoren und Vermittler, Professoren und Wohltäter, die an diesem Thema hängen. | Contra: das ist die Abhängigkeit der Künstlerinnen und Künstler von eben diesen Personen und Institutionen.
Pro: das ist die Entscheidung, die Kreativen immer im Lichte und Spiegel eines ihrer Ver-Mittler zur Geltung kommen zu lassen. | Conta: das ist, dass in mehr als einem Fall die Dargestellten mit dem Dargestellten so nicht konform gehen.
Pro: das ist, dass dieses Buch in Teilen auch als Sound-File gehört und als PDF-File kostenfrei eingesehen werden kann. | Contra: das ist des Fehlen eines Registers der im Buch vertretenen und/oder benannten und/oder abgebildeten KünstlerInnen (und ihrer Werke).

VI.

Zu vieles wäre zu sagen zu den Inhalte: ein wahrlich weites Feld, zu weit für diese "Kurz-Kritik". Ersatzweise soll hier nur eines zur Diskussion gestellt werden: der Titel "Digitale Transformationen" selber.

Hier gibt es einen deutlichen Einspruch: Die Transformation(en) ist (sind) nicht digital. Vielmehr leitet sie über: von einer analogen Welt in eine digitale Welt. Die Transformation selbst ist weder das Eine noch das Andere. Wär sie es, könnte sie als Transmissionsriemen zwischen diesen Welten nicht funktionieren. Wäre sie selber schon digital, wäre sie als Werkzeug und Prozess dieses Paradigmenwechsels eben nicht mehr geeignet! Sie steht vielmehr eher "daneben", oder "über" diesen Begrifflichkeiten.
In dem Buch sind Momentaufnahmen dieses Prozesse zusammengetragen worden. Und seine Inhaltlichkeit wird sich in der Zukunft daran messen lassen, wie und in wie weit in diesen Einzelbildern die Dynamik dieses Prozesse eingefangen, aufgefangen, widergespiegelt worden ist.

V.

Dieser letzte Punkt bezieht sich auch auf die der Buchpräsentation vorangegangene Gesprächsrunde - ein allzu weites und gut bestelltes Feld, als dass es möglich wäre, hierauf im Detail einzugehen.
Daher anstatt - als pars pro toto - ein echtes Kompliment an den Moderator. Er, von dem ich nicht denke, dass er das Thema aus der eigenen Lebens- oder Rezeptionsgeschichte wirklich schon auf seinem persönlichen Schirm gehabt hätte, er war offensichtlich nicht nur gut vorbereitet, sondern konnte diesen Vorteil auch zum Vorteil der Gesamtveranstaltung nutzen!
Er war gut genug, sein Bemühen um die Annäherung an das Thema nicht "heraushängen" zu lassen, sondern dem Verlauf des Gespräches selbst als Zuhörer zu folgen und stellvertretend für uns im Saal durch seine Fragen zu be-handeln. Gerade sein Blick von aussen machte es so möglich, das anwesende Publikum durch das Labyrinth der vielen Themen zu führen.
Und: Er war in der Lage, seine Rolle aus dem TV-Genre hier "richtig" zur Geltung zu bringen: in dem er die mit dieser Rollenfunktion im Publikum verbundenen Assoziationen ganz bewusst nutzte und so ganz und gar im Dienste des zu vermittelten Themas einsetzte. Gerade der diskrete Einsatz dieser Mittel machte ihn auch als Person glaubwürdig. Gut so!

WS.

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Fotos: © Dominik Landwehr