50 Jahre Hochschule für Film und Fernsehen

Nachfolgend einige persönliche Annäherungen und Eindrücke aus Anlass der Feiern zum 50. Geburtstag der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) “Konrad Wolf” in Potsdam-Babelsberg - ZEHN SPOTLIGHTS:

I.

Am 6. Oktober 2003 fand anlässlich des 50. Jahrestages der 1954 gegründeten "Deutsche(n) Hochschule für Filmkunst" eine Feierstunde statt, anlässlich der die "StudienanfängerInnen des Studienjahres 2003/2004 im großen Kino" vom Präsidenten der Hochschule Prof. Dr. Dieter Wiedemann und der Ministerin in Brandenburg für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Prof. Dr. Johanna Wanka begrüsst werden.

Gelangt man über die Internet-Suchmaschine "Google" auf die entsprechende Presseerklärung auf der HFF-Website, tritt gelegentlich ein kleines Problem auf: nämlich die einleitenden Anführungsstriche vor einem Begriff, in diesem Fall vor dem Namen "Konrad Wolf" werden jeweils urplötzlich in Form von drei "???" dargestellt. Je häufiger der Name wiederholt wird, desto öfter ist dann ein "???Konrad Wolf’" zu lesen...

Dieser zufällige und temporäre technische Fehler fiel mir wieder ein, als ich - nach dem Ende der offiziellen Feierlichkeiten am Abend des 5. November das Gelände betrete, sofort Freunden begegne und von diesen - auf meine Frage nach der Qualität und dem Gehalt der Reden gleich zu Anfang erfahre, dass in der Rede von Frau Kulturstaatsministerin Weiss die Rolle von Konrad Wolf [1] nochmals deutlich herausgestellt worden sei - was nicht allen gefallen habe. Es gäbe intern nach wie vor eine Reihe von Stimmen, die den Namen der Hochschule von diesem Namenszusatz gerne befreit gesehen hätten: zum Wohle einer Rundumerneuerung des Profils der Hochschule, die man am liebsten schon anlässlich dieses Feiertages verkündet hätte.

II.

Hier das schriftlich vorliegende Redemanuskript des Grusswortes der Kulturstaatsministerin Christina Weiss zum 50. Jubiläum der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg, in dem sie sich nochmals ausdrücklich auf deren "spannungsreiche Geschichte" einlässt.

Anrede,
erwarten Sie von mir bitte keine Grussbotschaft, sondern eher eine Annäherung an einen Ort, der mit Grußbotschaften von Regierungsvertretern so seine Erfahrungen hat. Man kommt, wenn man die Position dieser Hochschule bestimmen will, am Namensgeber nicht vorbei. Ich las vor wenigen Tagen bei Konrad Wolf einen erstaunlich zeitlos-aktuellen Satz: "Für mich ist die schleichende, alltäglich-selbstverständliche Brutalität in den Beziehungen viel aufregender und bedrohlicher als jeder unverhüllte Extremfall, diese Mischung aus Gleichgültigkeit, Empfindungsarmut, Ich-Bezogenheit, aus der sich die Katastrophen vorbereiten, deren Ursachen dann keiner mehr entschlüsseln kann." Dieser Satz fiel 1980, in einem Gespräch über den Film "Solo Sunny". Ein Satz, der weit vor und weit zurückreicht. Ein Satz, der mehr denn je gilt. Ein Satz, aus dem Filmstoffe werden - könnten. Zu jeder Zeit. In jedem Land. Der Satz hat mich dennoch überrascht. Ich hatte ihn nicht erwartet - vom Akademiepräsidenten der DDR, dem ZK-Mitglied, dem Schutzpatron Ihrer Hochschule. Ich saß in der Falle: Eine Biographie auf Schlagworte verkürzt. Die Debatten darüber kennen Sie besser als ich! Auch jene, in der sich die Hochschule umbenennen sollte, als könne man damit eine "Stunde Null" erzwingen. Dabei gibt es kein besseres Synonym für diese Filmhochschule als Konrad Wolf: Es steht für die unlösbare Verbindung von Politik und Kunst. Für die darin liegenden Möglichkeiten, Überforderungen und - Begrenzungen.

Es wäre vermessen zu sagen, ich wüsste, wie diese Filmhochschule, diese Villen-Insel mit Mauer-Blick, beschaffen war. Aber ich ahne es. Eine Hochschule für Künstler in Grenzlage - das war einmalig. Wo sonst begab sich Filmnachwuchs so früh, so unmittelbar in eine Grenzsituation, die nach Karl Jaspers immer eine fühlbare Grenze des eigenen Daseins beschreibt? Wo sonst stieß eine scheinbare Idylle so sichtbar auf ihre Desillusionierung? Wo sonst schuf sie sich dennoch im Rückgriff auf einen begrenzten Freiraum einen Ort der begrenzten Möglichkeiten? Einen Ort, an dem Zeit und Geld zweitrangig schienen, an dem die Nabelschau oft den Fernblick ersetzte, an dem Filme wie "Gewehre der Arbeiterklasse" entstanden und "Drei fiktive Briefe" verboten wurden. Ein Ort, an dem alle Fragen erlaubt schienen, die keiner laut zu stellen wagte. In diesen permanenten Grenzerfahrungen, glaube ich, wuchs dennoch eine Widerständigkeit heran, hinter der sich eine andere, solide geschulte Qualität subversiv aufbaute: Sehen, was andere übersehen. Hinhören, wo andere weghören. Das, meine Damen und Herren, ist die wichtigste Hinterlassenschaft für die Zukunft.

Eine Zukunft, die ja längst begonnen hat. Mit Künstlern dieser Hochschule, die ihr Handwerk verstehen. Die sich mit "Kleingeld" in der Tasche nach Hollywood wagen und auf "Halber Treppe" nicht stehen bleiben. Da wächst die Hoffnung, dass dieser Nachwuchs auch das Wort "Bildungsfernsehen" ganz neu beleben kann. Mit Bildern, die sich als aufregende, beunruhigende, lebendige Widerhaken festsetzen. Solange wir jedoch im Nahkampf mit dem Reality-TV und quotenfixierten Fernsehintendanten eine "Ver-bildung" erleben und uns dabei die Bilder der Wirklichkeit abhanden kommen, braucht es eine wie auch immer geartete "Schule des Sehens". Wir wollen aus diesem Grunde ein "Medienkompetenzzentrum" in Sachsen-Anhalt errichten. Der kompetente Zuschauer wächst zwar an der Kompetenz der Filmemacher, aber ein wenig Beihilfe zur Nachhilfe sei erlaubt.

In diesem Sinne gratuliere ich der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" sehr herzlich zum Geburtstag und hoffe auf weitere Talente, die den Ruf und die Kompetenz des deutschen Films mehren. Vielen Dank!

III.

Von anderer Seite wiederum wird die Rede der "Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien" rundum positiv gewertet. Nur der Blick in die Zukunft sei etwas zu kurz gekommen. Nicht nur bei der Frau Weiss, sondern insgesamt.

Weiteres Nachfragen in wiederum anderen Gesprächen brachte zu Tage, dass insgesamt auch die guten Texte der Redner schon durch ihre Fülle und Dichte als auch durch ihre Unverständlichkeit (dort wo sie übertragen wurden) letztendlich in Gefahr standen, von ihrer Wirkung her zu verpuffen.

Bei zweieinhalb Stunden ununterbrochenem Zuhörenmüssen würde auch die beste Rede nicht mehr die ihr angemessene Würdigung erfahren können. Besonders schlimm müsse es für die ausländischen Gäste gewesen sein, die der Deutschen Sprache nicht mächtig seien - eine Vermutung, die mir später von Betroffenen bestätigt wurde.

Andere wiederum berichten mir, dass man erst mit einer halben Stunde Verspätung angefangen haben. Und auch dann noch hätten so manche echte "VIPs" gar keinen oder schliesslich nur einen mit Gewalt erzwungenen Eingang in die überfüllte Halle erhalten.

Von all den anderen audio-visuellen Einlagen und Beiträgen berichtet zu meiner Verwunderung keine(r) meiner Gesprächspartner. Auf meine Frage, ob ich denn nichts versäumt habe, kam eher ein "nein" denn ein "ja" zurück - was mir schwer fällt, zu glauben.

IV.

Der Blick auf das Programm: auf der Internet-Seite der Hochschule nicht unter der Überschrift "Aktuelles" vorgestellt - dort ist vielmehr von einem "Tag der offenen Tür am 13. November 2004" eine Woche später die Rede, nicht aber vom 5. und 6. November - sondern auf der "Seite Eins" der Hompage.

Den Auftakt des Festakts stellt die Verleihung des Goldenen Diploms an die
Absolventinnen und Absolventen des Jahrgangs 1954 der „Deutschen Hochschule für
Filmkunst“ dar.
Die Verleihungszeremonie findet im ausgewähltem Kreis statt und wird
zur späteren Wiedergabe im Rahmen des großen Festakts aufgezeichnet.
Um 19:00 Uhr öffnen sich das Atrium der Hochschule und die Caligarihalle (Filmpark
Babelsberg) für rund 2000 geladene Gäste.
Während des 90-minütigen Festakts sorgt
eine Live-Schaltung für die Verbindung der beiden Orte.
Als prominente Gratulanten der Hochschule sprechen die Staatsministerin für Kultur
und Medien, Christina Weiss, der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Matthias
Platzeck, Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka sowie der Präsident der HFF,
Professor Dieter Wiedemann.
Persönliche Grußworte ehemaliger Studierender wie Carmen-Maja und Jennipher
Antoni, Annekathrin Bürger, Jaecki Schwarz, Wolfgang Winkler, André Hennicke,
Jeannette Arndt, Robert Glatzeder u.a. erweitern das festliche Programm.
Die Ode an den Namensgeber der Hochschule „Oh, Konrad Wolf...“ wird zu hören sein.
Audiovisuelle Leckerbissen sind Einlagen von Anke Lautenbach, Gretel Schulze und
Christian Kozik.
Als besonderes Präsent für das Jubiläum und als Dankeschön für die jahrzehntelange
gute Zusammenarbeit, sorgt das Deutsche Filmorchester Babelsberg für die
musikalische Untermalung des Festakts. Die 35mm-Zeitreise „Hamlet ff“ wird unter Live-
Begleitung durch das Filmorchester uraufgeführt.
Im Anschluss an den Festakt darf getanzt werden. Auf der Bühne der Caligarihalle
sorgen die Funk Bartel Singers für gediegenes Ambiente, und auf der Bühne im Atrium
der HFF lockern die berühmten Mosi-Singers, Die Dakota Dykes und diverse DJs das
Tanzbein.
Als besondere Überraschung für die frühen Absolventen der Hochschule wird eigens
das Epizentrum der alten HFF, der Studentenclub „Bratpfanne“, in den Studios der
Hochschule neu eröffnet. Dort heißt es ab 22:00 Uhr „Open Stage“. Für alle, die Lust am
gemeinsamen Musizieren haben, stehen dort die üblichen Instrumente bereit. In den
Pausen gibt es DJ-Unterhaltung.
Natürlich gibt es (ab 22:00 Uhr) für den cineastischen Genuss auch Filmprogramme in
zwei Vorführungen der Hochschule.

V.

Aus meiner Sicht stand an diesem Abend nicht die Information über die Hochschule im Vordergrund, sondern die Begegnung mit jenen Menschen, die ich im Zusammenhang mit der bisherigen Zusammenarbeit schon kennengelernt und mit denen ich mich in einigen Fällen speziell für diesen Abend verabredet hatte.

Von daher waren die musikalischen Darbietungen, von anderen offensichtlich mit viel berechtigtem Jubel begleitet, für mich eher eine allzu laute Begleiterscheiung. Was der fröhlichen Leistung und Spielfreude der Beteiligten Gott sei Dank keinen Abbruch getan hat.

Als ich nach einem dieser Gespäche von einer Gruppe von Freunden eingelanden werde, mit Ihnen noch die "Bratpfanne" aufzusuchen, entgegne ich Ihnen noch ganz keck, dass ich mich als "Mitläufer" wenig eigne. Aber ich hatte nicht bedacht, dass ihnen selbst die subkulturelle und subersive Konnotation dieser Adresse gar nicht mehr bewusst war und solcher Art von Persiflage nicht wirklich ankommen würde.

Der eigentliche Witz dieses kleinen Vorfalls war es, dass ich nicht gleich mitbekommen hatte, dass es nun anstatt der im realen Sozialismus noch existierenden Konspiranten-Kneipe einen Nachbau in den Kellern des Haupthauses gab, in den ich mitkommen sollte.

Und dann geschah, was ich "vorausgesagt" hatte, ich verlor im Gewühl meine "Bezugsgruppe" und machte mich auf den Rückweg zur Garderobe, als ich schnurstracks in die Arme von zwei anderen mir Vertrauten Persönlichkeiten lief, die sich ebenfalls, aber auch erst nach der Wende, in Babelsberg niedergelassen hatten.

VI.

Also: gemeinsam gehen wir zurück an die Theke. Während meine neuen Freunde nach einem Wein verlangen, frage ich als Autofahrer nach einem "AuBi", stoss aber auf reines Unverständnis. Der Versuch, mit dem Personal noch mundzwinkernd auf die DDR-Vergangenheit anzuspielen, misslingt völlig. Die Marke vom ehemaligen "Autofahrerbier" ist in keiner Weise mehr gegenwärtig.

Stattdessen stellen wir uns an einen der Stehtische und warten geduldig, bis eines der an der Hallenwand aufgestellten Ledersofas frei wird. Und wir ratschen und tratschen, was das Zeug hält.

So wurden fünfzehn Jahre Babelsberg-Geschichte(n) in 80 Minuten aus der DDR-Nach-Welt mit ihren Risiken und Nebenwirkungen betrachtet. Und in einer Mischung von Aufbruchstimmung, Galgenhumor und Bitternis wird deutlich, dass auch all die inzwischen eingesetzen Rechtsanwälte es nicht einmal geschafft haben, die Welt im Umfeld dieser alten runderneuerten Hochschule richtig zu interpretieren, geschwiege denn im Interesse ihrer Mandanten zu verändern...

VII.

Wie sitzen solange in der "Caligarihalle", bis die Bühne un die Theke geräumt sind und das gedämpfte Partylicht schlagartig durch die neutrale Neoneinstrahlung ersetzt wirde. Der Abbau beginnt. Das Studio ist wieder in der Hand der Techniker.

Warum eigentlich, fragen wir uns, sind diese Kolleginnen udn Kollegen nicht wirklich bei der Feier mit dabei? Gerade sie sind es doch, die neben an den an- und abreisenden Stars und Sternchen das eigentliche Rückrad dieser Institution ausmachen.

Sie selber aber scheinen sich die Frage nicht zu stellen - und so gehen wir, bevor es nun echt ungemütlich wird, zurück zur Garderobe und dann zu den Autos. Allerdings nicht ohne noch bevor eine Abschiedsrunde im Haupthaus gemacht zu haben. Dort ist inzwischen Disco angesagt - und es ist echt verwunderlich, wie es dem nicht tanzenden Anwesenden gelingt, sich dennoch zu unterhalten. Es scheint gerad so zu sein, als ob man Dank der hohen Dezibel-Werte die Chance hat, dem Anderen besonders nahe zu kommen, zumindst mit seinem Mund an dessen Ohr...

Bei endgültigen Abgang dann bekommt man noch eine Rose mit, auch die Männer - und eine Tüte. Sie ist fast durchsichtig und mit blauen Lettern bedruckt: "Hochschulbibliothek" steht da drauf und darunter "Hochschule für Film und Fernsehen". Ohne "Konrad Wolf".

VIII.

Es wäre unfair an dieser Stelle allzu viel über das Programm und die vielen vorbereiteten einzelnen Ereignisse zu schreiben. Umso mehr, als mir am Folgetag der Besuch der eigentlichen "Werkschau" nicht möglich ist, da ich mit einem dicken Hals und Schnupfen ans Bett gefesselt bin (so kalt wie sonst war es doch an diesem Abend im neuen Hochschulgebäude und der alten Caligari-Halle gar nicht - oder?).

Aber ich habe ja nun Gelegenheit die Tüte auszupacken und finde darin das von Schättle und Wiedemann herausgegebene von dem Verleger meines letzten Buches verlegte Festschrift mit dem Titel: "Bewegte Bilder. Bewegte Zeit. 50 Jahre Film- und Fernsehausbildung HFF ’Konrad Wolf’ Potsdam-Babelsberg". Und - und das ist echt ein Fortschritt: das Seminar Medientechnologie/Medienkünste 2004 des Studiengangs AV-Medienwissenschaft hat dem ganzen Kompedium eine DVD beigelegt, die, wie das Buch, einer eigenen Besprechung bedürfte.

An sonsten bin ich allein auf das Web-Echo angewiesen, und mein eh’ bereits subjektiver Blick wird durch die Brille des Internets noch weiter eingeschränkt. Ich kann nicht wirklich erfahren, was da an diesem 6. November wirklich alles geschieht Und dabei wäre ich so interessiert gewesen, gerade von den Ergebnissen der Beschäftigung mit den zukunftsweisenden Themen zu erfahren.

Für 14:00 Uhr beispielsweise ist im Raum 5101 die "Präsentation studentischer Arbeiten aus dem AV-Medienwissenschaft-Seminar: ’Neue Technologien und Gestaltung: Konvergenz und Interaktiver digitaler Film’" angekündigt. Jetzt ein Link mit einem kleinen Streaming-Signal in diesen Raum: das wär’s doch!?

Stattdessen gehe ich auf der Webseite in das Vorlesungsverzeichnis des Studiengangs AV-Medienwissenschaft, Abteilung: Kommunikationswissenschaft Medienkunde (Medien und Gesellschaft I) und finde dort Texte wie den folgenden:

In der Lehrveranstaltung wird das Verhältnis von Medien und Gesellschaft und die Einbettung des Rezipienten in den gesellschaftlichen Kontext thematisiert. Schwerpunktmäßig geht es um die technischen Entwicklungen im Bereich audiovisueller Medien und den damit einhergehenden kulturellen und sozialen Veränderungen. Welche Funktionen Medien innerhalb der Gesellschaft und welche auf individueller Ebene übernehmen, wird kritisch reflektiert. Der Wandel der Medien impliziert jeweils neue Rezeptionsmuster und stellt alte in Frage, was anhand der intergenerationalen Mediensozialisation gezeigt werden kann (Stichwort: Mediengenerationen) und was sich in einer stets veränderten Medienkultur widerspiegelt (Stichwort: Medienkonvergenz). Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen verschiedene Medientheorien, die vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und medialer Veränderungen auf ihren Aktualitätsgehalt und ihre Relevanz geprüft werden sollen. Außerdem werden verschiedene Rezeptionsstudien vorgestellt und deren Ergebnisse im Hinblick auf die Berücksichtigung gesellschaftlicher Bedingungen evaluiert.

XI.

Meine Hochschule für Konvergenz und Interaktivität war heute morgen der Fachhändler in der meiner Strasse, in dem sich auch unser Buero befindet. Bei dem musste ich trotz Schnupfen und Heiserkeit vorbei, da das "Handy" ausgefallen war.

Da ausnahmsweise wenig Publikum im Laden ist, bemühen wir uns nicht nur um die Lösung des technischen Problems, sondern mein Gegenüber bereichtet aus seinem Alltag, und wie es um die Praxis der alltäglichen Medien-Nutzung seiner Kunden bestellt sei, von den Kunden, die in Weinkrämpfe ausbrechen, wenn sie erfahren, dass ihr geliebtes Handy nicht mehr zu reparieren sei.

"Die Leute, die die meisten Airtim kaufen und die teuersten Handys, das sind zumeist die Unterpriviligierten, die Couchpotatoes, wie Sie sagen würden" - sagt er.
"Also die, die auch die besten Premiere-Kunden sind?" frage ich nach. "Ja, eben die", gibt er zur Antwort. Und ergänzt, ohne dass ich nachfrage: "aber Premiere habe ich jetzt aus meinem Angebot in diesem Geschäft herausgenommen. Die Leute, die hier kommen, sind inzwischen sowas von unzufrieden, allein schon wegen dem Service. Und dann kommen sie immer mehr von diesen zu uns, weil das mit der Hotline auch immer weniger klappt. Manchmal stehen die Leute hier in drei Reihen im Laden und letztendlich bleibt an Umsatz kaum etwas hängen."

Die beste "Konvergenz", die er als Händler bemerkt habe, sei die zwischen debitel und Premiere. Beide Gesellschaften hätten wohl jetzt den gleichen Finanzinverstor und der würde jetzt richtig Druck machen, das bekäme man deutlich zu spüren. Als Kunde und als Händler...

Beim Schreiben dieser Zeilen schreibe bedenke ich sogleich die möglichen Folgen, die ein solches Statement auch für mich haben könnte, nachdem sich seit den Gesprächen auf den Medientagen in München ganz neue Perspektiven der Konvergenz zwischen den Rundfunk- und den Kino-Leuten aufgetan haben. Dennoch. Hier hier zu kneifen und sich zugleich über die Perspektiven einer Hochschule auszulassen, die als die älteste ihrer Art in besonderer Weise darum bemüht ist, ihre Zukunft neu zu definieren, wäre unredlich. Wenn ein Fachhändler so eine Entscheidung trifft, dann muss er dafür gute Gründe haben - auch wenn sie dem Programm- und Technologieanbieter vielleicht nicht so gut schmecken mögen.

X.

Einige gute Beispiele, wie die Geschichte und die eigene Praxis mit der Arbeit an der Hochschule vernetzt und verlinkt sind, finden sich in dem Protokoll der Sendung vom DeutschlandRadio Berlin mit dem Titel "Nachwuchs für die DEFA. Vor 50 Jahren wurde die Hochschule für Film in Babelsberg gegründet".

[1Siehe dazu die Darstellung zur Person und seinen Arbeiten auf folgendem
HFF-Link .