Warteraum # 5102

Die überbreite weisse Tür steht offen. Von meinem Stuhl aus kann ich auf den Gang schauen. Es ist 9 Uhr morgens. Und es ist Ruhe eingekehrt. Die morgendlichen Einweisungen sind erfolgt, die Patienten in spe sind fertig für den OP. Die Kandidaten für die Operationen der Folgetage haben ihre Informationsbögen gelesen, ihre Fragebögen ausgefüllt und ihre Gespräche mit den behandelnden Ärzten geführt.

Schwester Antje hält die Station auf Trab - und bringt es sogar noch fertig, eine Thermoskanne mit Café in den Warteraum zu bringen. Einer der Anwesenden will keinen Kaffee. „Na, dann leben Sie ja noch gesund“ gibt sie zur Antwort. Sie weiss offensichtlich sehr gut zu unterscheiden, wann sie ein Angebot macht und wann ihre Ansage nichts anderes ist als eine nett verpackte Order.

Aus einem der Räume sind für eine Zeit lang die Schreie einer Frau zu hören. Ansonsten ist die Ruhe nur gelegentlich von den Gesprächen der anderen Anwesenden unterbrochen. Alle, die in diesem Raum sitzen, nehmen unwillkürlich schnell Kontakt mit den anderen Anwesenden auf: ein Blick, eine Geste, auch das eine oder andere Wort wird gewechselt. Man merkt, dass keiner wirklich gerne hier ist und dass doch jeder weiss, dass es sein muss.

Schon am Eingang der Klinik ist ein Schild aufgeklebt, wonach die „Handies“ in diesem Gebäude nicht gestattet sind. Aber auf Anfrage hat Schwester Antje nichts dagegen einzuwenden, wenn die Stromversorgung in Raum 5102 dafür eingesetzt wird, dass der mobile Rechner angehängt und genutzt werden kann - und so entsteht dieser Text im Warteraum zur ambulanten OP.

Das Büro bleibt an diesem Freitag geschlossen. Und doch gibt es so in aller Ruhe und mit viel Komfort Möglichkeiten, die Zeit, die einem gegeben ist, nicht ungenutzt an sich vorbeiziehen zu lassen.

WS.

PS.

Am Ende dieser Woche ist festzustellen, dass Arzt wie Personal einen Super-Job gemacht haben. Die Genesung auf der Station verlief in Windeseile und es ist wirklich an der Zeit, hier nochmals Allen an dieser Stelle ein dickes Kompliment zu machen - zumal ja meistens immer nur die schlechten Nachrichten wieder ins Kranken-Haus zurückkehren, nicht aber die von Denjenigen, die zufrieden waren.