Infineon mit Schumacher aus der Kurve getragen?

Was der "neue" Infineon-Chef Wolfgang Ziebart über seinen Vorgänger Ulrich Schumacher in Müchen zu sagen hat, ist alles andere als schmeichelhaft. Nein, schlecht Arbeit habe er nicht gemacht. Aber es gäbe eine lange Mängelliste, die es anzupacken gelte.

Bezugnehmend auf eine "Präsentation vor Journalisten" vom 21. Dezember schreibt "theu" in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 22.12.2004 auf Seite 17 u.a.:

In seiner größten Unternehmenssparte, den Speicherchips, ist Infineon nach Ziebarts Meinung zu langsam. Bei der wichtigen Verkleinerung der Speicherchips hinke man ein halbes Jahr hinter dem asiatischen Konkurrenten Samsung her, kritisiert er. „Das hat uns vergangenes Jahr 500 Millionen Euro gekostet.” Zum Vergleich: Unterm Strich erreichte Infineon im Geschäftsjahr 2003/2004 (30. September) nur einen mageren Konzern-Jahresüberschuß von 61 Millionen Euro.

„Viele hundert Millionen Euro versenkt”

Doch Ziebarts Schwächenanalyse reicht weiter: „Chancen, die wir am Markt haben, wurden totgetrampelt”, sagte er mit Blick auf die nach Funktionen und nicht nach Produkten gegliederte Organisation des Dax-Konzerns. Die hat er bereits geändert (F.A.Z. vom 17. Dezember).

„Dringenden Handlungsbedarf” sieht der Infineon-Chef beim Aussortieren unprofitabler Geschäftsfelder. „Viele hundert Millionen Euro” seien durch falsche Akquisitionen „versenkt” worden. Rand- und Zukunftsgeschäfte, die nicht rasch Aussicht auf Gewinne haben, will er einstellen oder abgeben.

Mehr Geld verdienen

Es ist das erste Mal seit seinem Amtsantritt vor knapp drei Monaten, daß der neue Mann ausführlich über seine erste Analyse des Unternehmens informiert. Der Ausgangspunkt seiner ersten Bestandsaufnahme ist altbekannt: Infineon schafft es im stark schwankenden Halbleitergeschäft nicht, in guten Zeiten genug zu verdienen, um die Einbußen in schwachen Marktphasen auszugleichen.

Im letzten Halbleiterzyklus habe Infineon im Abschwung 1,5 Milliarden Euro mehr verloren, als im Aufschwung gewonnen wurde. „Das müssen wir ändern”, sagt Ziebart, der zuvor bei Conti und BMW arbeitete.

Kein Personalabbau im großen Stil

Einzelheiten und konkrete Zahlen zu seinem Fitness-Programm namens „Smart Saving” (kluges Sparen) für den Konzern bleibt der neue Infineon-Chef allerdings bislang schuldig. Ziebart sagte nicht, bis wann er die Kosten wie stark senken wolle. Noch bezifferte er die Ergebniseffekte daraus. Zumindest schließt er jedoch aus, daß die Mitarbeiterzahl von zuletzt knapp 36 000 Beschäftigten deutlich sinken wird. „Wir planen keine Personalmaßnahmen im großen Stil”, versicherte Ziebart.

Es wäre interessant zu erfahren, ob es zu diesen Aussagen ein Recht und einen Wunsch auf "Gegendarstellung" gibt. Ein Thema, das demnächst nochmals in einer eigenen Abhandlung unter dem Titel "Weg vom Fenster" zur Sprache gebracht werden wird.

WS.

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