Rezzo’s post rock / Struck ante portas

Am 17. Januar flatterte uns mit der Überschrift
DIE SCHÖNE PARTY. SONNABEND, 22. JANUAR 2005, 21.00 UHR
Pop und Politik: Die Schöne Party mit Rezzo Schlauch
folgende Meldung des RBB in das elektronische Postfach:

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Schöne Premiere: Rezzo Schlauch gibt am Sonnabend, 22. Januar, ab 21.00 Uhr, bei der Schönen Party von Radioeins (RBB) in der Berliner Kalkscheune sein Debüt als Party-DJ. Der Grünen-Politiker und Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit wagt sich zum ersten Mal an die Plattenteller. Das Musik-Angebot des Regierungsmitglieds: eine Auswahl aus Soul, Rhythm‘n’Blues, Rock-Klassikern und Alternative.

Weitere musikalische Kostbarkeiten warten auf den anderen Floors: In der blauen Lounge legen DJ Jester und DJ Porthos ihre liebsten Rock-Scheiben auf, und das DJ-Team Soundfarm lockt mit dem Motto „Dance at its best“ die Partybegeisterten auf die Tanzfläche. Das DJ-Team Sabrina & Karim ist mit Electro und Brazil dabei, während DJ Pasi den allseits beliebten Schöne-Party-Mix kredenzt. Wem trotz intensiven Tanzens immer noch kalt ist, der kann sich mit Glühwein im Hofgarten aufwärmen. [...]


Am Tag der Tat, also heute, greift die "Berliner Zeitung" dieses Ereignis [sic!] unter dem Titel "DJ Rezzo macht durch bis zum nächsten Morgen" nochmals auf und gewährt dem parlamentarischen Staatssekretär im Gespräch mit Stefan Strauß auch noch ein Interview.

Herr Schlauch, Sie wollen uns einen Abend lang den Discjockey machen, das ist doch ein toller Nebenjob. Weiß der Bundestagspräsident eigentlich davon?

Nein, weiß er nicht. Das ist aber auch eine einmalige Veranstaltung: Das Geld, das ich bekomme, wird gespendet. Da ist alles genehmigungs- und jugendfrei. Ich habe mich über das Angebot von Radio Eins gefreut. Bei so einer Geschichte bin ich gern mit dabei ...

... wie viel kriegen Sie denn als DJ?

Ich verdien’ da gar nichts, ich kriege eine Aufwandsentschädigung! Die spende ich der Fluthilfe, die der Sender Radio Eins organisiert hat.

Okay. Von Ihnen weiß man, dass Sie ein alter Fan der Rolling Stones sind. Die legen Sie doch bestimmt bei der Schönen Party auf, oder?

Na klar, ich bin ein alter Rock’n’ Roller! In der 68er-Zeit hatten Musik und Kultur noch eine Eisbrecherfunktion!

Eine was?

Musik und Popkultur haben geholfen, die Verkarstungen und den Konservatismus der sogenannten formierten Gesellschaft der Nachkriegszeit aufzubrechen. Sie haben das Land bunt und weltoffen gemacht.

Was wird bei Ihnen noch so laufen außer den Stones?

Na ja, auf jeden Fall die Kinks, Aretha Franklin, James Brown, Rhythm & Blues, Funk, Black Music . Oldies and Goldies. Und ein paar neue Bands: Strokes, Tocotronic, Josh Stone .

Wie viele Schallplatten und CDs nehmen Sie von zu Hause mit?

Meine alten Platten kann ich nicht mehr vor anderen abspielen, die sind mittlerweile zu ramponiert. Ich habe 40 bis 50 CDs ausgesucht, den Rest bringen die DJs mit, die mich am Pult unterstützen werden. Ich habe ihnen eine Playlist geschrieben mit meinen Wunschtiteln.

Sagen Sie Bands und Titel vor dem Abspielen an?

Nein, bei mir wird durchgetanzt. Ich habe genug Musik dabei, die reicht die ganze Nacht.

Als DJ braucht man ein Gefühl, um zu erkennen, ob die ausgewählte Musik dem Tanzpublikum gefällt oder ein anderer Stil gewünscht wird. Trauen Sie sich das zu?

Ich werde schon herausfinden, nach welcher Musik das Publikum tanzen mag. Es ist ja nicht so, dass ich an diesem Abend meinen eigenen Stiefel durchziehen will.

Bei der Schönen Party wird oft bis zum Morgen getanzt. Ob Sie das durchhalten?

Wenn die Stimmung bei der Party gut ist, halte ich auch durch. Ich bin nicht einer, der früh anfängt, die Platten zu putzen.


Und so gelingt es ihm mit dieser Form der Selbst-Inszenierung diese Sonnabend-Seite für sich zu "bloggen". Und das, obgleich die heute publizierte Geschichte des Tages eigentlich einem noch ranghöheren Kabinettsmitglied gegolten hätte: Dem Herrn Bundesverteidigungsminister Dr. Struck.

Struck ante portas

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Erst einmal vorstellen musste sich Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) unlängst bei einem unangemeldeten Besuch der Kurmark-Kaserne in Storkow (Oder-Spree). Zwar habe die Wache am Tor einen Oberst in Uniform, der ihn begleitete, korrekt begrüßt, sagte Struck am Freitag in Berlin. Vom Minister habe der Soldat jedoch keine Notiz genommen. Dabei hätte ihn schon die vorfahrende Kolonne von Limousinen stutzig machen müssen. "Mein Name ist Struck, ich bin der Verteidigungsminister", stellte sich der Gast daraufhin vor "und dann lief das". "Das ist kein Scherz", fügte der Soldat sicherheitshalber hinzu, als er den Minister nach dessen Vorstellung seinem Vorgesetzten ankündigte.
BERLIN/STORKOW. (AFP) / BLZ vom 22. Januar 2005