"preiswert" muss nicht "billig" sein

Seitdem die Stiftung Warentest auch in die Luft gegangen ist, kommen erstaunliche Ergebnisse zu Tage, die sogleich aus der FAZ.Net vom 21. Januar 2005 herausgelesen und hier nochmals zitiert werden: Darin scheibt Kirsten Bienk unter dem Header "Stiftung Warentest gibt Low-Cost-Carriern gute Noten":

Billigflieger liegen beim Vergleich von Preis und Leistung vor Linienfluggesellschaften. Dies hat die Stiftung Warentest in einem Ranking ermittelt und dabei jeweils sechs Strecken von 15 Fluggesellschaften unter die Lupe genommen. Die Low-Cost-Carrier Air Berlin und DBA teilen sich mit einer Gesamtnote von jeweils 2,2 den ersten Platz, gefolgt von Condor und Hapag-Lloyd-Express (HLX) mit einer Bewertung von jeweils 2,3. Für die TUI-Tochter HLX ist dies ein Grund zum Jubeln. Schließlich existiere das Unternehmen erst seit zwei Jahren, während die Ranghöheren schon wesentlich länger in der Luft seien, sagte ein Sprecher. Unter den jüngeren Gesellschaften sei HLX die Beste. Außerdem habe die Airline bei den wichtigen Punkten Preis, Verfügbarkeit und Information sehr gute Noten erhalten. Da falle es kaum ins Gewicht, dass die Geschäftsbedingungen nur mit einem befriedigend bewertet worden seien. Die Airline weiß gar nicht, was die Tester bei diesem Punkt bemängeln. Dies wird jetzt geprüft. Das Management sei sich aber keiner Unregelmäßigkeiten bewusst, sagte der Sprecher. Das Montrealer Abkommen beispielsweise sei integriert. Die Tester haben Flüge nach Berlin, Barcelona, Lissabon, London, Mallorca und Rom untersucht. Von den fünf mit gut bewerteten Billig-Airlines hat Ryanair demnach den günstigsten Durchschnittspreis, gefolgt von easyjet, DBA und HLX. Dabei sei zu beachten, dass bei den meisten Anbietern die Reise teurer wird, je später sie gebucht wird. Air Berlin und Condor seien generell bei den Preisen etwas teurer, böten dafür aber mehr Service an Bord. Beim Thema Service setzt die Stiftung Warentest Germania Express und Ryanair ans Ende, während Condor vor Air Berlin an der Spitze liegen. Beim Thema Sicherheit gibt es nach Einschätzung der Tester keinerlei Abstriche bei den Low-Cost-Airlines im Vergleich zu den nationalen Fluggesellschaften. Hierfür würden die strengen Vorschriften sorgen, die jede Airline einhalten müsse. Von den fünf untersuchten nationalen Gesellschaften erhielt die Lufthansa mit 2,7 die beste Note, gefolgt von British Airways mit 3,2 und TAP Air Portugal mit 4,1.

In der Print-Ausgabe vom "Tag danach" macht die "Berliner Zeitung" dieses Thema unter der Überschrift "Billigflieger liegen vorn" auf und räumt kräftig mit Vorurteilen auf.

BERLIN, 21. Januar. Billigflieger haben nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest bei Preisen und Leistung die Nase im deutschen Luftverkehr vorn. Die ersten fünf Plätze gingen an Niedrigpreis-Anbieter, wie die Stiftung in Zeitschrift Test (Heft 2/2005) schreibt. Mit der Note 2,2 schnitten Air Berlin und die DBA am besten ab. Die Lufthansa erhielt als beste etablierte Airline die Testnote 2,7. Am schlechtesten wurden mit der Note 4,4 die nationalen Fluggesellschaften Alitalia und Iberia bewertet. Beurteilt wurden Preise, Service und Information. Vor allem gingen die Tester auch der Frage nach, wie sich die Ticketpreise verändern, je näher der Reisetermin rückt. Getestet wurden Verbindungen zu fünf ausgewählten europäischen Zielen (London, Rom, Barcelona, Lissabon, Mallorca) und innerdeutsch Berlin. Im Internet wurden die Preise zu unterschiedlichen Vorbuchungszeiten ermittelt.

Preise: Die niedrigsten Preise hat es im Test bei der irischen Ryanair und der britischen Easyjet gegeben, die auch im Durchschnittspreis für die getesteten Strecken (Hin- und Rückflug) mit 109 beziehungsweise 112 Euro am günstigsten lagen. Die "teuersten" Billigflieger waren am Durchschnittspreis bemessen Germania Express (195 Euro) und Condor (189 Euro). Bei den großen Linienfluggesellschaften stellten die Tester sehr unterschiedliche Ergebnisse fest. Zwar böten auch diese günstige Verbindungen an - beispielsweise könne British Airways mit 160 Euro auf der London-Route mit den Billigfliegern mithalten. Aber ebenso würden sich "aberwitzige Höchstpreise" bei den großen Fluggesellschaften finden. Die Unterschiede nannten die Tester "geradezu absurd": Nach Lissabon flogen sie von Köln mit Germanwings für 82,31 Euro und ab Frankfurt an Main mit der Lufthansa für 1 620 Euro.

Fristen: Die Schnäppchenpreise, mit denen die Billigflieger werben, fanden die Tester allerdings "nur ganz selten". Schnäppchenjäger müssten deshalb rechtzeitig buchen. So bot Ryanair einen Flug von Karlsruhe nach Barcelona drei Wochen vor dem Start für 32,51 Euro an, eine Woche vor Abflug kostete er 350,51 Euro - also mehr als das Zehnfache. Bei Germanwings sollte ein kurzfristiger Hin- und Rückflug nach Barcelona sogar 610 Euro kosten.

Service: Zu einem überraschenden Urteil kamen die Testflieger beim Service. So würden Air Berlin und Condor sogar einen besseren Bordservice bieten als die teure Konkurrenz. Ihren schlechten Ruf bestätigte Ryanair. "Einen Bordservice gibt es praktisch nicht", registrierten die Tester. Wer dennoch etwas essen oder trinken wolle, müsse tief in die Tasche greifen: Ein Sandwich koste fünf, ein Bier vier Euro. (BLZ)