"Hollywood ist nicht Amerika..."

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... Hollywood, das ist inzwischen die Welt, das sind die Konzerne [...]"

Mit der folgenden Bild-/Text-Zitat-Strecke ein alles andere als repräsentativer Auszug aus der ersten RBB-Talkschau "Im Palais" des Jahres 2005 aus Anlass der bevorstehenden Berlinale.

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"Ein Buch über zwei Seiten? Da gibt es nur ein Einziges: das ist über tausend Jahre deutschen Humor."

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"... kleine gebrauchte Scheine, wie verabredet ;-)"

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Frage an Naumann: mit wem würden Sie Buck vergleichen? "Das ist die nordfriesische Variante von Depardieu". Buck: "Is ja ok!"

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Buck: "Komm, Christiane: Du schreibst darüber nur, Du arbeitest da nicht drinne Es gibt den deutschen Film, aber keine Industrie [...]"

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" ... möglicherweise war dieses eigentlich schon eine Art Kurzfilm, genannt: die deutsche Talkshow. Und Sie können jetzt weiter fernsehen, aber auch was ganz anderes machen: greifen Sie zum Buch; das Schwarze sind die Buchstaben. Herzlichen Dank. Auf Wiedersehen."


Nachtrag vom 29. Januar 2005:

Nachdem auch Herr Naumann am Dienstag dieser Woche seine Gesprächs-Runde mit Fragen nach den Stars aufgemacht und über längere Zeit beschäftigt hat, stellen zum Ende der Woche Anke Westphal und Frank Junghänel in der "Berliner Zeitung" vom Sonnabend, den 29. Januar 2005 nun - endlich - die Gegenfrage:

Herr Kosslick, jeder will von Ihnen wissen, welche Stars zur Berlinale kommen? Können Sie das überhaupt noch hören?

Und seine Antwort ist ein klares: "Nein!"
Nachfolgend das weitere Interview im Wortlaut:

Es kann nicht sein, dass ein Filmfestival völlig auf die Frage reduziert wird, welche Hollywood-Stars denn nun auf dem roten Teppich stehen. Die so genannten Hollywood-Filme machen ja nur zwei, drei Prozent der 400 Festivalfilme aus. Aber diese Entwicklung hat sich in den vergangenen zwei Jahren extrem zugespitzt, und ich habe dazu ja auch beigetragen.

Wir wüssten aber auch gern, wer kommt.

Warten Sie es ab.

Welche Auswirkungen hat diese Boulevardisierung des Festivalgedankens auf die Wahrnehmung der Filme?

Nun, ich bin Kommunikationswissenschaftler und habe als solcher gelernt, dass es böse und verdächtig ist, wenn gesellschaftspolitische Vorgänge personalisiert werden. Der einzelne Mensch spielt zwar eine Rolle, hab ich gelernt, aber man darf sich nicht allein auf ihn konzentrieren. Vor genau diesem Problem stehe ich nun aber als Festivalchef: dass sich alle auf ein paar einzelne Personen konzentrieren. Unsere Aufgabe ist es, auf die vielen interessanten Filme aufmerksam zu machen.

Die Glanzerwartung ist also eher eine Last?

So ist es nun auch nicht. Populismus und Glamour sind gut für die Berlinale; Berlin war auch immer ein Festival für das normale Publikum. Doch hier tut sich auch eine gespaltene Welt auf: Die Berlinale ist natürlich tausendmal mehr als dieser rote Teppich, dessen zehn Meter zwar kurz sind, aber ganz schön dominant.

Haben Sie im vergangenen Jahr Filme im Kino gesehen, die Sie gern im Wettbewerb gehabt hätten?

Na klar - "Aviator"! Als Eröffnungsfilm! Wir haben’s probiert, es hätte auch fast geklappt, aber die Gefahr, dass uns dann am Schluss jemand abgesprungen wäre, war zu groß: Leonardo DiCaprio etwa beginnt nächste Woche mit den Dreharbeiten zu seinem neuen Film "The Shepherd". Das war uns zu unsicher. Es gab viele Filme, die auch auf der Berlinale hätten laufen können, "Mathilde" mit Audrey Tautou beispielsweise. "Interpreter" von Sydney Pollack - leider ist der Film nicht fertig geworden. Oder "Ray". Aber die Gefahr hätte bestanden, dass zwar die Filme hier gewesen wären, wir dem Publikum aber einen Tag vor der Festivalpremiere hätten mitteilen müssen: Sorry, die Damen und Herren können aus verschiedenen Gründen leider nicht herkommen.

Also diktieren doch die Stars das Programm?

Man kann im Wettbewerb keine Rote-Teppich-Filme spielen, ohne auch für die Stars den roten Teppich auszurollen. Wir bestehen darauf, dass für jeden Film auch die entsprechenden Leute kommen - und wenn schon nicht die Hauptdarsteller, dann der Regisseur oder der Produzent. Das bin ich dem Publikum und den Journalisten schuldig. Wir sind ein Festival, kein Kino.

Ist Ihnen der Sender Sat.1 wegen einer befürchteten Star-Knappheit als Sponsor abgesprungen?

Nein - und außerdem gab und gibt es bei uns keinen Mangel an Stars zu befürchten! Wir haben jetzt das ZDF als Medienpartner, und wahrscheinlich wird es dort mehr Berlinale-Berichte geben als bisher. Für uns ist dieser Wechsel eine Chance, die hochinteressante Vielfalt der Berlinale besser zu vermitteln. Der Witz ist ja, dass wir darunter leiden, dass so wenig über die Berlinale berichtet wird, weil zu viel über die Berlinale berichtet wird! Das hört sich jetzt vielleicht nach Karl Valentin an, aber ich meine, dieser rote Teppich legt sich über das ganze Land, und im Forum, Panorama, Kinderfilmfest oder Talent Campus laufen die wahnsinnigsten Filme! Dort hält Ridley Scott Vorträge, Catherine Breillat spricht über Sex und Ken Adam über Kubrick! Das müssen wir deutlicher machen.

Der vorigen Berlinale wurde angekreidet, etwas zu politisch, zu schwer gewesen zu sein. Gibt es diesmal mehr zu lachen?

Der Wettbewerb ist leichter. Ich hoffe, dass die Leute das auch merken! Aber natürlich spiegelt so ein Festival auch die politische Situation. Es ist doch so: Unsereins geht ins große Kinokaufhaus der Welt und schaut, was da los ist. Da nimmt man sich das Wesentliche, aber auch mal was Trendiges, das womöglich nur ein Jahr hält. Vielleicht nimmt man auch etwas, das gerade im Angebot ist. Anschließend komponiert man das Programm - eine Prise Humor schadet dabei nie.

Dann lassen Sie uns Ihren Warenkorb doch mal durchsehen.

Die zehn Tage der 55. Berlinale werden sich vor allem dem Independent-Kino widmen. Wir haben in diesem Jahr einen Spitzenanteil an Debütfilmen: fünf von 26. Wir haben zudem 15 Weltpremieren. Filme aus Europa und Afrika prägen den Wettbewerb. Deutschland ist stark vertreten, mit drei Filmen.

Es gibt immer mehr wettbewerbstaugliche deutsche Filme. Hatten Sie Schwierigkeiten sich zu entscheiden?

Wir hätten ganz leicht sieben deutsche Filme in den Wettbewerb nehmen können! Das Potenzial ist da. Entschieden haben wir uns für Christian Petzold, der im vorigen Jahr mit "Wolfsburg" im Panorama war. Er zeigt seinen neuen Film "Gespenster" im Wettbewerb. Hannes Stöhr hat mit "One Day in Europe" nicht nur einen witzigen Film im Programm, sondern auch einen, der die politischen Entwicklungen reflektiert: Immerhin haben wir zehn neue Länder der Europäischen Union beim Festival. Und an "Sophie Scholl" mit der großartigen Julia Jentsch konnte nun keiner vorbei - a Star is born! Wir wissen das. Und wenn der Film bei der Berlinale gelaufen ist, werden es alle wissen.

Was kommt aus den USA?

Von dort kommen Filme wie "Thumbsucker" mit Keanu Reeves oder "Heights" mit Glenn Close: Aber das sind andere Geschichten, als wir sie sonst im Wettbewerb gewohnt sind. Dann zeigen wir "The Life Aquatic with Steve Zissou" ("Die Tiefseetaucher"). Klar, dass ich Wes Anderson haben wollte - wir hatten ja auch seinen Film "The Royal Tenenbaums" hier. Bei seinem neuen Werk kann man sich komplett zurücklehnen und fragen, was sehen wir denn jetzt Verrücktes?! Anderson geht zum größten Filmstudio der Welt, nimmt sich Stars wie Bill Murray, Willem Dafoe und Anjelica Houston und macht sich über Jacques Cousteau lustig! Aber sehr tiefsinnig, im wahrsten Sinne des Wortes. Man hat einen schönen Abend. - So versuchten wir das zu gestalten, alles ein bisschen leichter.

Sind viele Filme dabei, bei denen man einen schönen Abend hat?

Das ist Ansichtssache. Das Problem ist, dass der Mittfünfziger auf der Berlinale einen schönen Abend haben will. Der Zwanzigjährige möchte einen interessanten Abend. Oft ist das nicht dasselbe. Aber es gibt diese Feel-Good-Movies; die kann man für ein Festival nehmen, die könnte man aber auch nicht nehmen.

Das klingt nach Beliebigkeit.

Nein, wenn es beliebig wäre, dann hätte ich irgendeinen Film genommen, bei dem ich genau weiß, wie die Sache läuft und der die Aufmerksamkeit ohne dollen Anspruch sichert.

Gab es wieder Gerangel mit dem Festival von Cannes? Wie 2004, als Ihnen die Franzosen im letzten Moment drei Filme wegschnappten?

Nein. Ich habe mit meinem französischen Kollegen Thierry Frémaux beim Europäischen Filmpreis in Barcelona ’ne sehr große Tasse Kaffee getrunken.

Es gibt eine Änderung des internationalen Reglements, die besagt, dass auf einem Filmfestival jetzt auch Filme im Wettbewerb gezeigt werden dürfen, die bereits woanders liefen. Hat das schon Auswirkungen?

Das eine ist, was man darf - das andere, was man macht. Da muss man sehr vorsichtig sein. Wir hatten schon im vorigen Jahr Filme, die vom Sundance Festival nach Berlin gekommen sind. Aber wir machen das nur, wenn es wirklich für Berlin Sinn macht. Zum Beispiel zeigen wir "Hotel Rwanda", der schon auf dem Festival in Toronto lief. Wir zeigen auch die Premiere von "Sometimes in April", der sich ebenfalls mit dem Bürgerkrieg in Ruanda auseinander setzt. Das macht Sinn.

Das Wachstum der Berlinale ist mittlerweile ein Problem, ein schönes zwar, aber ein Problem: überbuchte Kinosäle und zu viele eingereichte Filme? Wie lösen Sie das?

Die Berlinale wächst nach Plan. Und der Plan ist nächstes Jahr erfüllt. Nach fünf Jahren, wie sich das gehört. Für den Nachwuchs haben wir den Talente Campus eingerichtet, der läuft ganz wunderbar; zu seinen Paten gehören in diesem Jahr u.a. Walter Salles und Dante Ferretti. Wir wollten einen Koproduktionsmarkt haben, einen Fund zur Unterstützung der Filmproduktion in ökonomischen oder politischen Krisenregionen und wir wollten den deutschen Film nach vorne bringen. Das ist alles passiert.

Aber es ist eng geworden: Berlinale-Vorführungen sind überfüllt.

Wir befinden uns in einem Übergangsjahr. Die Grenzen des Wachstums sind erreicht. Wir haben Probleme mit den Akkreditierungen. Auf dem Filmmarkt haben wir 1 000 Fachbesucher mehr als vor vier Jahren. Ab 2006 wird der Markt in den Martin-Gropius-Bau ziehen.

Was versprechen Sie sich von Roland Emmerich als Jury-Chef?

Ich wollte nach vier Jahren auch mal einen deutschen Präsidenten. Ich kenne Roland gut, ich mag seine Arbeit. Sein Debütfilm, "Arche Noah Prinzip" ist bei der Berlinale gelaufen. Ich fand immer, dass Roland Emmerich ein großer Künstler ist. Natürlich ist er auch ein Mainstream-Regisseur, aber ein schwäbischer.

Das ist jetzt Ihre vierte Berlinale. Macht’s noch Spaß?

Es macht Spaß, wenn man noch was verändern, etwas Neues machen kann. Einfach nur 26 Filme programmieren reicht mir nicht - da würde ich mir einen Nebenjob zulegen.

(c) Berliner Zeitung, Nummer 24, 29./30. Januar 2005 - Seite 31