Ein Online- Digitalisierungs- Debakel

Anstatt die Berlinale besuchen zu können, wird unsere Zeit mit Problemen gefressen, die sich auf Grund der Umstellung der onlinebezogenen Datenerfassung der Finanzämter ergeben haben.

Die Bearbeitung der hier nur angedeuteten Probleme nahm so viel Zeit in Anspruch, dass auch der Montag davon so im Mitleidenschaft genommen wurde, dass kein Besuch der geplanten Veranstaltungen möglich war [1].

Die Chronistenpflicht verlangt aber zumindest den interessierten Leser über die wichtigsten Unbill auf dem Laufenden zu halten, auch wenn dies nichts, aber auch gar nichts mit der Berlinale zu tun hat.

I.

Zunächst war in den letzten Tagen kein Datenaustausch mit den Finanzämtern möglich, da sämtliche Server überlastet waren. Das Problem war so heftig, dass bereits die "Elster" Hotline [2]
vor der Annahme irgendeines Gesprächs darauf verweist und zudem bekannt gibt, dass die daraus resultierenden Verspätungen nicht mit einem "Verspätungszuschlag" belegt werden.

II.

Das für die Einrichtung der elektronische Unterschrift erworbene und installierte Programm „T TeleSec Signet" meldet einen "Manipulationsverdacht" und nimmt aus diesem Grunde selbständig eine Deaktivierung vor.

III.

Der Versuch, beim T-Punkt auf diesen Umstand hinzuweisen, sollte zunächst von deren Seite zunächst mit der Antwort aus der Welt geschafft werden, dass der zuständige Verkäufer im Urlaub sei und er sich sicherlich nach seiner Rückkehr melden würden ;-).

Freundliches, aber energischen Nachsetzen führte dann doch zu einem weitergehenden Dialog mit einem Herrn Ba. Der wiederum war ganz aus dem Häuschen: sie würden diese Software ja auch am eigenen T-Punkt einsetzenvund hätten mit einer solchen Meldung noch nie etwas zu tun gehabt...

Über ihn kommen wir an die T-Telesec-Hotline 0800-835 37 32. Nach dem Gespräch mit einer "Empfangsdame" werden wir auf die Techniker verwiesen. Als sich dieser meldet, fragt er nach der Fall-Nummer, die uns aber aber die Dame nicht mitgeteilt hat. Letztendlich liegt dann aber das Problem woanders: denn er nämlich den Fall an einen Kollegen verweisen, der für diese Anwendung auch ausgebildet worden sei.

Dieser meldet sich dann auch, weiss aber auch nichts von dieser Meldung und will zunächst einmal das Labor anrufen. Er sagt einen Rückruf zu und dieser kommt dann auch: Eine "*.DLL-Datei" könne beschädigt worden sein oder würde fehlen. Es gäbe ein Prüfsoftware auf der Installations-CD mit Namen "siqCheckTSIBdlePro.exe".

Diese wird von uns aufgerufen, gestartet, sie prüft alle DLLs und veweist darauf, dass alle "OK" sei. Danach wird ein Rechner-Neustart fällig. Und dann läuft wieder alles.

Auf Bitten von Herrn Ba. rufen wir ihn nochmals in seinem T-Punkt zurück und informieren nunmehr ihn über die möglichen Wurzeln solchen "Übels".
Wenn das kein "Kunden-Service" ist!

IV.

Nach Bereinigung dieser Problem geht es nunmehr darum, eine PKS Zertifikat von den Steuerbehörden zu erhalten. Nachdem sich aber weder die Kasse noch der Veranlagungsplatz beim zuständigen Finanzamt an diesem Punkt als kompetent erklärt hat, wird das Internet konsultiert - auf dass ja heute alle Welt immer so gerne vereist, wenn man nicht mehr weiter weiss - und dort findet sich aber die Bestätigung dass es eine Signaturvereinbarung gibt.

In der Tat gehört die Deutsche Telekom zu den Signataren. Soweit, sogut. Aber dann stellt sich heraus, dass unsere Geschäftsbank, die Postbank, inzwischen nicht mehr dazugehört :-(

Also wird ein langes schriftliches Protokoll erstellt und den Zuständigen zur weiteren Prüfung zur Verfügung gestellt.

V.

Nunmehr steht fest: die Einkommensteuererklärung wird zurückgestellt und stattdessen die Umsatzsteuer-Voranmeldung vorgezogen. Diese kann auch ohne elektronische Signatur mit dem sogenannten "Elster"-Formular eingereicht werden. - Nur, dass sich dieses Formular nicht in unserer LEXWARE Buchhalter Pro 2005 Software finden läßt [sic!].

Laut Benutzerhandbuch lässt sich diese Anwendung unter dem Menüpunkt "Extras" aufrufen. Allein: das will nicht gelingen. Auch nach mehrmaligem Anrufen bei der zuständigen Hotline nicht. Dieser ganze Vorgang nimmt schliesslich mehrere Stunden in Anspruch, weil es eigentlich keinen offensichtlichen Grund gibt, warum diese Applikation nicht in der Menüleiste angekündigt wird.

Schliesslich weiss keiner mehr weiter, wir nicht und die Leute an der Hotline auch nicht - und uns wird die Deinstallation des gesamten Softwarepakets empfohlen. Hierfür weden ausführliche Sicherungsmassnahmen vorweggeschaltet und Mails mit den entsprechenden Anleitungen zugesandt, gespickt mit Funktionen und Hinweisen, die bis in das Windows-Register eingreifen. Und in denen leider der alzu notwendige Hinweis fehlt, dieses vor einem möglichen "Eingriff" zu sichern.

Um ganz sicher zu gehen, soll nochmals eine Gesamtsicherung durchgeführt werden. Aber an diesem Tag ist die anmeldefreie Zeit von 30 Tagen abgelaufen und die Software muss - unmittelbar vor der geplanten Deinstallation - noch aktiviert werden.

Dann wird zunächst die Version aus dem Jahr 2003 deinstalliert. Danach wird der Rechner heruntergefahren, neu gestartet und nochmals die Version 2005 aufgerufen. Und bevor auch diese deinstalliert wird, kommt es zu einem letzten Anruf bei der Hotline. Diese Mal ist ein anderer Berater dran, mit dem wir nochmals alle Einstellungen durchgehen. Und dann fordert er dazu auf, nach dem Start des Buchhalter-Pro Programms innerhalb desselben nochmals die Leiste "Buchhalter" zu aktivieren: und mit einem Mal sind auch weitere bislang nicht repräsentierten Funktionen präsent, darunter auch jene so lang vermisste Leiste, in der das Wort "Elster" steht.

Des Rätsels Lösung? Das Systemdesign der "Professional"-Reihe ist bei Lexware so angelegt, dass die unterschiedlichen Einzelprogramme unter einer Gesamtoberfläche subsummiert werden. Auf dieser Ebene mit allen Stammdaten etc. gibt es auch schon einen Menüpunkt "Extras", nur dass darin als Default noch nicht alle Punkte aktiv gelistet werden, die eine spezielle Bedeutung für das Programm "Buchhalter pro" haben.
Erst eine weitergehende Aktivierung dieses Softwaremoduls sorgt dafür, dass dann auch alle diese Programm betreffende Applikationen abgerufen werden können.

Das macht - systemtechnisch - durchaus Sinn: wenn man das ganze Softwarebundle gekauft und installiert hat. Es ist aber mehr als irreführend, wenn man nur eines dieser Module erworben hat - und dieses dann nach seiner Installation nicht das tut, was sowohl das Benutzerhandbuch als auch mehrere Hotline-Mitarbeiter behaupten...

VI.

Jetzt, nachdem schliesslich dieses Problem behoben werden konnte, beginnt das Programm bei der Eingabe der Finanzamts-Daten zu spinnen, öffnet statt dieser Maske das T-Online-Portal, fragt selbständig E-Mails ab und meldet dann den Fehler 80004005 Zitat: "[PageImpl.cpp] CPageImpl::OnSetAcrive() : m_IPropertyPage->Activate"

Jetzt reichts... [3]

[2ELSTER ist ein Warenzeichen des Freistaates Bayern und steht für ELelektronische SteuerErklärung.

[3STATE-OF-THE-ART-REPORT um Monatsende: Unsere Supportanfrage bei Lexware ist seit diesem Zeitpunkt immer noch "on pending" ("in der Mache"). Nach einem ersten "Vertröstungsschreiben" erhalten wir am 28. Februar 2005 doch tatsächlich eine Anfrage, bitte die Systeminformationen auslesen zu lassen. Wir hatten dieses bereits zum 14. Februar 2005 getan und angeboten,diese Informationen sogleich weiterzureichen. Dieses aber wurde doch tatsächlich von unserem Gesprächspartner abschlägig beschieden [sic!]. Er sei nur dazu da, um die Daten telefonisch aufzunehmen. "Wenn die so weitermachen", war hier zu hören, sind die Kollegen mit dem Problem bis zum Start der CeBIT noch nicht fertig.
Wir haben uns inzwischen anderweitig beholfen, indem wir auf Vorschlag der Bilanzbuchhalterin das "Einfachste von der Welt" gemacht haben: die Software-CD nochmals in den Client-Rechner eingelegt und eine Reparatur-Installation vorgenommen. Nach dem Neustart kamen wir auch an die zuvor nicht mehr erreichbaren Seite heran ;-).