Kommentar: Der Kanzler und die Krummsäbel

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In der offiziellen Bilderliste der Bundesregierung vom Kanzlerbesuch im Jemen ist dieses Bild, nicht aber jenes zur Nutzung freigegeben worden, das Gerhard Schröder zeigt: umringt von tanzenden Jeminiten in Landestracht, wie sie ihre Krummsäbel schwingen, ja, gegen ihn zu erheben scheinen und von denen er schliesslich selber einen lachend ergreift, damit symbolisch die gemeinsame Freude an dieser Waffe teilend signalisiert und zugleich zeigt, dass er als der "starker Mann" sich zu wehren in der Lage sei.

Welch eine Szene im Kontrast zum Besuchs des amerikanischen Präsidenten
Busch in Mainz . Dabei mag man trefflich streiten über die Glaubwürdigkeit einer Politik und der Personen, die sie vertreten. Im Gegensatz zum starken Auftritt des Kanzlers wäre es denn auch beim Erscheinen des mächtigsten Mannes der Welt unvorstellbar gewesen, wenn sich nach seiner Einfahrt in Mainz vor dem Schloss eine Karnevalsgarde eingefunden hätte und um den Herrn Busch herumgetanzt wäre (mit welchen Instrumenten in der Hand auch immer ;-)

Gewiss: In den Funktionen eines Staatsoberhauptes können weder Busch noch Schröder bei solchen offiziellen Besuchen sehr viel mehr von ihrer Umgebung mitbekommen als "la vie en rose" im Mainzer Stadtschloss oder die vordergründige Folklore eines jeminitischen Basars. Und doch: die ausgeübte Gewalt, die zu potentieller Gegengewalt und damit zur Notwendigkeit führt, sich vor potentiellen Bedrohungen schützen zu müssen, diese Gewalt kann letztendlich zu einem so nachhaltigen Wahrnehmungsverlust der Wirklichkeit führen, dass der "Freund" nicht mehr vom "Feind" unterschieden werden kann [1].

Wie aber kann man dieses zeigen, ohne ein moralinsaures Kommentieren der Verhältnisse: die Redaktion von Harald Schmidts Nachtparade hat sich da schon sehr viel Mühe gemacht, um die Bilder eines Staatsbesuchs, die in der Öffentlichkeit gezeigt worden sind, "gegen den Strich" zu interpretieren: hier geht es um die Abfahrt der beiden "Staatskarossen" vom hessischen Flughafenlandeplatz, einem Kanzler-Mercedes mit G-Kat und dem noch riesigeren "Bush-Mobil" des Präsidenten: mit nicht weniger als 5 Antennen auf der Kofferraumhaube und einer gewaltigen Rauchwolke hinter den beiden Auspuffrohren des Wagens. Diese, so der Kommentar des Star-Talkers-Schmidt, machten auffallend deutlich, warum die USA sich der Unterschrift unter das Kyoto-Abkommen auch weiterhin widersetzen würden [2].

Und dennoch haben die Bilder vom Kanzlers in Sanaa seine Wirkung nicht verfehlt, selbst bei den vielen Journalisten nicht, deren ständiges Hinter-ihm-herlaufen ihn zu dem Kommentar verführten: wie schön es doch wäre, wenn er zwei Tage Zeit gehabt hätte, um sich ohne diesen Tross an Leuten einfach mal die Schönheiten dieser Stadt anzuschauen. Eine bessere Tourismuswerbung für den Jemen hat es im Deutschen Fernsehen schon seit langem nicht mehr gegeben.

[1Dass sich einen Tag nach diesem Kommentar einer der erfahrendsten italienischen Geheimagenten, Nicola Calipari, vor die soeben befreite Journalisten Giuliana Sgrena werfen wüde, um so die erneute Rettung ihres Lebens - dieses Mal vor den Kugeln US-amerikanischer Soldaten - mit dem Preis des Seinen zu bezahlen, war wahrlich noch nicht vorherzusehen.
Siehe dazu die
APA-Meldung
über die Vermutungen von Pier Scolari, dem Lebensgefährten der am Freitag den 4. März in Bagdad freigelassenen Journalistin.

[2So geschehen und samt Mainzer Büttenrede ausgestrahlt am Abend des 23. Februars 2005.

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Lieber Präsident George Bush,
Erst emol en Riesetusch.

Die ganze Welt hat’s vernomme -
Der Schorschi is nach Meenz gekomme.

Natürlich war heut weit und breit
Nix wischtije als Sicherheit.

Die CIA hat unverdrosse
Die Meenzer Bürger weggeschlosse.

Fenster discht und Gully zu -
Herr Präsident braucht seine Ruh!