Stell Dir vor, es sei CeBIT...

... und "keiner" ginge hin?

Unvorstellbar? Zumindest waren auf der CeBIT-PK "for Daily and Econonmic Press" auf dem Messegelände in Hannover am 3. März die potenziellen Besucherzahlen für dieses Jahr noch nicht vorhersehbar - "ehrlich nicht".

Das war eine ehrliche Antwort. Und eine gute dazu. Denn es ist klar, dass bislang der Erfolg einer Messe zuförderst an der Zahl der Besucher gemessen wurde. Ist das gut so?

Eigentlich gab die Pressekonferenz selbst schon im Kleinen eine Antwort auf diese neue Herausforderung.

Auf der einen Seite konnten die Macher und Manager der Messe den Nachweis führen, dass sie konzeptionell auf die neuen Anforderungen des Marktes reagiert haben und dass der Markt selbst in allen seinen Sektionen wieder Wachstumszahlen zu verzeichnen hat. Und: dass der Rückgang der bundesdeutschen Aussteller mit einem Boom der ausländischen, vor allem aus Asien, mehr als kompensiert werden konnte.

Auf der anderen Seite wurden dann doch, wenn auch noch ein wenig "durch die Blume", jene Zahlen kommuniziert, die wohl zumindest als branchenübliche, interne Messlatte an den eigenen Erfolg angelegt werden: nachdem mehr als 30 Messen in den letzen Jahren von der Bildfläche verschwunden sind, wäre es doch ein guter Masstab, wenn man von dem Richtwert von einem Zuschauer pro Quadratmeter ausgehen könne. Was nach Adam Riese für die diesjährige CeBIT so um die dreihunderttausend wären [sic!].

Erstaunlich bei der heutigen Auswertung der Freitags-Presse, dass kaum einer auf diese Prognose eingegangen ist, während all die anderen vorgelegten Zahlen fleissig zitiert wurden - ebenso wie die These, dass die Computer- und die Consumer-Industrie immer mehr miteinander verschmelzen würden (Als eine Beispiel von vielen ein Zitat aus der von uns abonierten Berliner Zeitung, in der Thomas Wendel in der hier vorab zitierten Wochenendausgabe unter der Überschrift "Handy an Video: Wir haben kein Problem" folgendes schreibt:
CEBIT - Kommende Woche beginnt in Hannover die weltgrößte Computermesse. Der Blick auf die Neuheiten zeigt: Die Grenzen zwischen Informationstechnik und Unterhaltungselektronik verschmelzen immer mehr.*)

Sicherlich wird diese Frage spätestens bei der Abschlusskonferenz am Mittwoch, den 16. März um 11 Uhr erneut eine Rolle spielen.
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Und dieses Mal eine entscheidende. Und dann wird nicht nur eine ehrliche Antwort selbstverständlich sein, sondern auch entscheidend, wie und dass diese in den Tagen bis zu diesem Moment gut vorbereitet worden ist: zum Beispiel mit aktullen Testimonials, die besonders auf die Qualität der Besuche(r) und die getätigten und/oder avisierten Abschlüsse verweisen und die damit die Qualität und langfristige Tragfähigkeit dieser "B-to-B"-Messe unterstreichen.

Denn entscheidend ist letztendlich, wie viele Aussteller sich für 2006 wieder anmelden werden: einem "IFA-freien" Jahr in dem "Die Welt zu Gast bei Freunden" sein wird.

WS.

*) BERLIN, 4. März.
Es wird wieder eine Schau der Superlative: 6 270 Aussteller aus 69 Ländern werden von kommendem Donnerstag an ihre Produkte auf der weltgrößten Messe der Informationstechnologie-Branche präsentieren. Auf 308 881 Quadratmetern Fläche wird dann alles zu sehen sein, was flimmert: Futuristische Flachbildschirme, die man sich ähnlich großformatigen Ölbildern an die Wände hängen kann, Handys, Software und natürlich auch den ein oder anderen Notebook- oder Schreibtisch-Computer. Dennoch hat sich die Messe in einem entscheidenden Punkt gewandelt: Dieses Jahr wird sie nicht geprägt von visionären Entwürfen und Designstudien. Stattdessen steht funktionstüchtige Technik im Vordergrund, die in den meisten Fällen in den kommenden Monaten auch in den Regalen der Elektronik-Läden zu finden sein wird.

Auffallend: Der Computer tritt ausgerechnet auf der weltgrößten Computer-Messe zunehmend in den Hintergrund. Er versteckt sich geradezu. Und zwar hinter der Fassade anderer Geräte. Wie zum Beispiel dem Handy. Mobiltelefone mausern sich zu den Elektronengehirnen des 21. Jahrhunderts. Der Vorteil liegt auf der Hand: Man kann sie überall hin mitnehmen und - ausgerüstet mit entsprechenden Peripheriegeräten wie beispielsweise Tastaturen und Mini-Druckern - auch überall mit ihnen arbeiten. Gleich mehrere Technologie-Trends lassen sich dabei beobachten:
- Das Büro in der Jackett-Tasche: Anbieter so genannter Smartphones - einer Kreuzung aus Taschencomputer und Handy - integrieren Hochgeschwindigkeits-zugänge zum Internet in ihre Geräte. Mittels des mobilen Büros lassen sich Texte, Grafiken und Präsentationen fast genauso komfrotabel erstellen wie an einem Tisch-PC. Zudem lasen sich fast überall auf der Welt E-Mails empfangen und versenden.
- Verschmelzung der Netze: Neue Handys beherrschen unterschiedlichste drahtlose Übertragungsstandards. Zuhause wird so per Wireless LAN über den Festnetzanschluss telefoniert, unterwegs über UMTS.
- Verschmelzung der Unterhaltungselektronik: Zu Hause werden Computer, Hifi-Anlage und Fernseher eins (siehe Text unten). Für unterwegs verschmelzen Handy, Digitalkamera, Videogerät und Musikspieler. Der weltgrößte Mobiltelefonhersteller Nokia ist inzwischen so auch zum weltgrößten Hersteller von Kameras und Musikabspielgeräten geworden.

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[1Vielleicht sollte man bei dieser Gelegenheit auch auf dem Erfolg des Internet-Broadcasting-Konzeptes dieser und nachfolgend geplanter Livestreams aufbauen: indem man jenen akkreditierten Journlisten, von denen viele an diesem Tag schon wieder am eigenen Schreibtisch sitzen werden, die Gelegenheit gibt, auch von ihrem Arbeitsplatz aus weitere Fragen an die versammelte Runde der Messe-Macher und -Manager zu stellen.

Das wäre nicht nur "state-of-the-art" bei der inter-aktiven Nutzung dieser neuen Technologien, sondern zugleich auch eine Möglichkeit darauf hinzuweisen, dass die Zahl der Messebesucher nicht mehr allein auf jene rekurieren sollte, die sich tatsächlich mit einem Eintrittsticket vor den Toren der Messehallen in Hannover eingefunden haben.

Das Messe-Motto "Get the spirit of tomorrow" könnte so schon heute auf seine Zukunftstauglichkeit hin im Hier und Jetzt geprüft und - bestenfalls - durch die Praxis unter Beweis gestellt werden.