Hin-Weg vom Werbe-Weblog

Dass Weblogs mehr sind als nur Online-Tagebücher, hat nicht nur die Entwicklung dieser Publikation selber gezeigt, sondern wird inzwischen auch mehr und mehr Seitens der Industrie so gesehen.

Gerade heute kommt wieder eine solche "Antrigger"-Mail in den elektronischen Postbriefkasten, die einmal mehr u.a. auf dieses Thema aufmerksam machen will: in Form des Kaufangebots einer Kurzstudie zum Thema
Weblogs in Marketing und PR , die bereits im Herbst letzten Jahres im Hause Berlecon für den Einstieg ins Thema erstellt worden ist.

Wir haben uns in diesem Zusammenhang nochmals den Texte des Berlecon Research GmbH Geschäftsführers Dr. Thorsten Wichmann vom 28.10.2004 angesehen, diesen im Licht der aktuellen Entwicklung überdacht und uns noch verstärkt darum bemühen, dass dieses Thema bei der nächsten Frankfurter Buchmesse mit in die öffentliche Diskussion eingebracht wird [1].

Hauptargument der Studie ist, dass Weblogs einiges an Potenzial für Marketing und PR bieten, sei es, dass Unternehmen eigene Weblogs führen - sogenannte „Corporate Blogs“ - oder dass sie diejenigen Weblogs regelmäßig auswerten, die für ihre Branche und für ihre Produkte oder Dienstleistungen von Bedeutung sind. Die Studie zeigt auch, dass Weblogs in Deutschland noch ein junges Phänomen sind, ihre Anzahl aber derzeit mit etwa 15 Prozent pro Monat zunimmt.

Interessant zu sehen, dass seit dieser Studie
- nicht nur Google, sondern selbst T-Online seinen Nutzern eine solche Nutzungsmöglichkeit als "Default" eingerichtet hat
- immer mehr Menschen in unserem Umfeld davon berichten, diese neue Möglichkeiten für sich als Privatpersonen zu nutzen
- die Auswertung dieser Eintragung sich immer mehr auch zu einem kommerziell relevanten Profil zu entwickeln beginnt.

Allerdings, so zeigen die Reaktionen, scheinen „Marketing und PR“ für einige Journalisten und Blogger Reizworte darzustellen. Nachdem Heise die Studie mit der Schlagzeile „Weblogs eignen sich gut für Reklame“ besprochen hatte, haben einige Blogger ihrem Unmut darüber Luft gemacht, dass jetzt auch Weblogs „mit Werbung zugemüllt“ werden. Nun waren werbefinanzierte Weblogs, wie etwa von Nick Dentons Firma Gawker Media, gerade nicht der Gegenstand der Studie. Es geht in der Studie auch nicht um platte Reklame. Aber die Reaktionen auf „Marketing und PR“ bestätigen eine Aussage der Studie: Corporate Blogs müssen sich deutlich von platter Werbung abheben, um glaubwürdig zu bleiben. Gefragt sind also keine glatten Hochglanzartikel oder Jubelarien über die eigenen Produkte, sondern authentische Beiträge, die Ehrlichkeit und Offenheit signalisieren.

Quod erat demonstrandum!

Interessant ist, auf der Basis welcher Quellen und Informationen die Blogger über die Studie geschrieben haben. Viele Blogger haben sich in ihrem Kommentar ausschließlich auf Berichte Dritter bezogen, obwohl die Primärquellen (z.B. unsere Pressemitteilung und Studienbeschreibung) direkt über das Internet zugänglich sind. Damit scheinen Blogger sich sehr viel eher mit Sekundärquellen zufriedenzugeben als professionelle Journalisten (es sollten).

Die wichtigste Informationsquelle für Blogger, so hat unsere Auswertung der Einträge ergeben, sind immer noch professionelle Medien. Nur eine Minderheit hat sich in ihren Links zum Thema auf andere Blogs bezogen. Das bestätigt auch eine weitere Einschätzung der Studie, dass Weblogs in Deutschland noch am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Offensichtlich wird etablierten Medien - in diesem Fall z.B. Heise, Golem, Der Standard - als Quelle immer noch eine größere Glaubwürdigkeit zugesprochen als Blogs.

Im Falle von DaybyDay ist es so, dass hier jede Quelle zitiert wird, die sich als solche presserechtlich eindeutig und verantworlich zu erkennen gegeben hat. Dennoch finden auch zunehmend die Reaktionen Anderer zu verwandten Themen ebenso Berücksichtigung wie direkte Rückmeldungen. Allerdings werden diese nicht unmittelbar weitergereicht, sondern in die eigene Gestaltung und Themenauswahl inter-aktiv mit eingebunden.

Diese Beobachtung steht in starkem Kontrast zu der mitunter vertretenen Behauptung, Weblogs seien das Ende des traditionellen (Online-) Journalismus. Ganz im Gegenteil können Blogs die Bedeutung von etablierten Medien im Internet offensichtlich noch verstärken, wenn sich „Big Media“ wie Heise, Spiegel Online und andere als Bezugspunkte etablieren, auf deren Artikel Blogger verweisen. Die Blogosphäre wird so zum Traffic-Lieferanten für diese Sites.

[???] "diskussionswürdige" These [sic!]

Ein Grund kann aber auch sein, dass sich in Deutschland bislang erst wenige Blogger mit ausgeprägter Reputation etabliert haben. In den USA ist die Entwicklung schon weiter, wenn man die Zahlen im Weblog von David Sifry, CEO der Weblog-Suchmaschine Technorati, zugrunde legt. Sifry hat den Index von Technorati danach ausgewertet, worauf Blogger verlinken. Unter den TOP 40 Sites, auf die in Weblogs verwiesen wird, finden sich dabei immerhin zur Hälfte Weblogs, auch wenn die ersten Positionen von professionellen Sites wie New York Times, CNN oder BBC belegt sind. Blogger werden in den USA also schon stärker wahrgenommen. Auch Corporate Blogger sind in den USA schon viel häufiger anzutreffen als in Deutschland. Auf Basis des eigenen Indexes schätzt Sifry deren Zahl auf etwa 5.000, kommt aber zu der Einschätzung, dass Corporate Blogging noch ganz am Anfang steht.

Nun gut. Wir haben mit dem Thema seit dem Jahrtausendwechsel zu tun und dann 2003 zu einer Lösung entschlossen, bei der "Corporate" und "Personal" nicht im Widerspruch stehen sollten, sondern einander bedingen.

Schließlich ist noch interessant, wie Diskussionen zum Thema der Studie in Weblogs abgelaufen sind. Denn Weblogs bieten ja die Möglichkeit, Kommentare zu den eigenen Einträgen zuzulassen und so eine Diskussion zu starten. Eine wie auch immer geartete Zensur findet dabei meistens nicht statt. Außerdem schreiben Blogger wie auch Kommentatoren ihre Meinung meist recht unverblümt. So auch in diesem Fall. Interessant ist dabei, dass völlig unfundierte Äußerungen meist schnell kritisiert wurden und die Gruppe der Weblog-Leser eine Art Korrektiv zu allzu extremen Äußerungen in Weblogs ist. Die Leser übernehmen also quasi einen Teil der Aufgaben des Chefredakteurs. Teilweise sind solche Diskussionsverläufe auch interessanter zu lesen als ein von vornherein ausgewogener Artikel.

Hier also kommt noch ein Text dazu.

Fazit: Die Auswertung der Studiendiskussion in der Blogosphäre hat ein paar interessante Denkanstöße geliefert, aber vor allem eine Aussage der Studie bestätigt. Unternehmen sollten sich mit dem Thema Weblogs auseinandersetzen.

Also: Einkaufen bei BERLECON und die Spielregeln anerkennen.
_Was wir hiermit gerne tun.

(c) Dieser Artikel darf nach Rücksprache mit Berlecon Research unentgeltlich übernommen oder zitiert werden, vorausgesetzt Berlecon Research wird eindeutig als Urheber genannt (Copyright 2004, Berlecon Research GmbH). Bei Online-Veröffentlichungen ist zusätzlich die URL von Berlecon Research anzugeben (Copyright 2004, Berlecon Research GmbH, http:// www.berlecon.de).

WS.

[1... was auch durchaus (s)einen persönlichen Reiz hat, als ehemaliger Suhrkamp- und Westermann-Autor heute aus dieser scheinbar vom Literaturbetrieb immer noch so "abgehobenen" Welt wieder in diese(n) mit eingreifen zu können. WS.