Getrennt lächeln - gemeinsam siegen?

Die IFA-Verantwortlichen - gfu und Messe Berlin - publizierten diese Woche zum Anlass des Reisebeginns am 5. April 2005 in einer gemeinsamen Presse-Erklärung Rang und Namen der von ihren Vertretern in Japan aufgesuchten Gesprächspartner.

In Tokio wird Harald Wolf mit Fumio Ohtsubo, President Panasonic AVC Networks Company & Senior Managing Director, zusammentreffen, der in diesem Jahr die IFA International Keynotes eröffnet. Mit Fumio Ohtsubo begrüßen die Veranstalter der IFA - die gfu und die Messe Berlin GmbH - zu Beginn der Veranstaltungsreihe am 2. September einen der international führenden Köpfe der CE-Branche.

Eine weitere Station der Reise führt Harald Wolf nach Osaka. Dort trifft er sich zu Gesprächen mit Spitzenmanagern von Sharp Electronics. Neben Toshishige Hamano, Corporate Senior Executive Director and Group General Manager of International Business Group, stehen Daisuke Koshima, Group Deputy General Manager - European Operation, International Business Group sowie Hans Kleis, Chief Executive Officer of All European Sales Subsidiaries and Chairman & Managing Director of Sharp Electronics (EUROPE) GmbH, und Frank Bolten, President, Managing Director, Sharp Electronics (Deutschland) GmbH als Gesprächspartner bereit.

So vielen Flugstunden für zwei Firmen? Gewiss, wahrlich keine Leichtgewichte. Und doch hat es den Anschein, dass es fast wichtiger sei, sich selber im Glanz der hier zitierten Industrieführer beleuchten zu lassen, als diesen ein Licht aufzusetzen über die Attraktivität des Industriestandortes Deutschland .

Oder hat man sich da etwa auf den Bundespräsidenten Dr. Horst Köhler und sein Tun in Tokio verlassen? Warum ist man nicht schon am Wochende zuvor dabei gewesen und hat es allein dem Generaldirektor der Staatlichen Museen Berlins, Klaus-Peter Schuster, überlassen, auf die besondere Bedeutung Berlins hinzuweisen. Warum nur hat man es versäumt, an diesem entscheidenden Moment gemeinsam aufzutreten?

Anlässlich der diesjährigen IFA 2005 (Internationale Funkausstellung, 2.- 7. September) reist Berlins Bürgermeister und Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen, Harald Wolf, vom 5. bis 8. April nach Japan. Auf seiner Reise nach Tokio und Osaka begleiten ihn Dr. Christian Göke, Geschäftsführer der Messe Berlin, und Jens Heithecker, Direktor Information & Communication der Messe Berlin und Projektleiter der IFA. Die Reise unterstreicht maßgeblich den hohen Stellenwert der langjährigen und intensiven Wirtschaftskontakte im Bereich der Consumer
Electronics(CE) zwischen dem Land Berlin, seiner Messegesellschaft, der die IFA veranstaltenden Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik GmbH (gfu) und der japanischen CE-Industrie. Im Vordergrund des Aufenthaltes stehen Wirtschaftskontakte und Termine mit hochrangigen Ausstellern der IFA 2005, um die bestehende enge Zusammenarbeit weiter zu festigen.

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Es ist (un)sinnigerweise der Bundespräsident und nicht etwa der berliner Senator Wolf, der sich die Zeit nehmen musste, um eine Schau mit bunten Buddy-Bären vor dem Mori Tower zu eröffnen.

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Und es war der gleiche höchste Repräsentant unseres Landes, der da in in einem geradzu unanständig schnellen Sauseschritt mit dem japanischen Kronprinzen Naruhito durch die Präsentation von fünf Jahrtausenden aus den fünf Museen der Museumsinsel gerast ist.
Und der sich mit kaum einem Wort über das nachfolgende reiche Kulturprogramm geäussert hat, sondern der viellmehr all dieses wie eine Kulisse zu nutzen schien, um mit Sätzen aufzutrumpfen wie: "Deutschland lohnt sich: Unser Land ist modern, offen, innovativ und vielfältig, und wir sind unterwegs."

Ist es wirklich das, was "die Japaner" dazu bewegen könnte, sich (wieder) gen Deutschland aufzumachen? Wohin sind die Deutschen denn unterwegs? [1]. Selbst das umweltpolitische Engagement haben sie auf ihrer Weltausstellung in
AICHI
dreimal konsequenter umgesetzt als das immerhin schon damals rot-grün-regierte Deutschland auf der
EXPO 2000

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Was, bitteschön, sollen denn "die Japaner" in Berlin so anziehend finden, wenn "Das Göttliche in der Kunst" aus den in Berlin zusammengetragenen wichtigsten Kulturgüter Europas und Vorderasiens eh’ schon in ihrer eigene Heimat im Schnelldurchgang betrachtet werden können? Ist es das Bild vom Bundespräsidenten auf einer BMW, deren Felgen nach "bionischen Erkenntnissen" optimiert worden sind?

Harald Wolf: “Ziel der diesjährigen Japanreise ist es mit hochrangigen Branchenvertretern der CE-Industrie in weitere intensive Gespräche zu kommen. Diese wichtigen und bereits bestehenden Wirtschaftskontakte verweisen auf die Relevanz der IFA als weltweiter Wachstumsmotor in Europa und in Berlin. Die IFA und Berlin sind in ihrer Kombination ein außerordentlich attraktiver Investitionsstandort für Unternehmen der CE-Branche - nicht nur aus Asien.“

Die IFA als Wachstums-"motor"? Wird hier nicht Ursache und Wirkung verwechselt - oder absichtlich verkehrt, um der Veranstaltung eine Bedeutung zu vermitteln, die ihr eher entlehnt ist, als dass sie ihr wirklich innewohnt?

Bedenkenswert ist dieser hochtrabenden Satz deshalb, weil sich unter der Kennlinie seiner allzu marketinggetriebenen Befindlichkeiten die Gefährnisse von allerlei Untiefen abzuzeichnen beginnen.

Glaubt man sich als Ausstellungs-Macher wirklich auf der Seite der "Macher"? Wen man das Vermächtnis jener ausser Acht zu lassen beschliesst, die mit weitaus grösserer Bescheidenheit diese Veranstaltung in den letzten Jahrzehnten massgeblich geprägt haben was ist es, dass dieses ersetzt?

Vielleicht verliebt man sich mit dieser neuen managementgetriebene Dynamik allzu sehr in eine Position, die dem Buddy-Bären einen höheren Kult-Status zuweist als den babylonischen und sumerischen Gottesbildern oder der Miniatur der ägyptischen Königin Tiyi.

Dabei sind möglicherweise solch archaischen wie unendlich schönen Figuren wie diese die einzigen, die noch als überzeugende Alternativen zu den vergötterten Robotern japanischer Herkunft dort Anerkennung finden mögen? Die in Roppongi Hills aufgestellten Plastik-Bären jedenfalls sind es nicht und die These, dass mit ihnen das Abbild des Menschen in einer globalisierten Welt repräsentiert würde "ein jeder anders bemalt, aber alle gleich" [sic!] noch weniger.

Köhler und Schuster auf der einen Seite, Senator Wolf und die Funk-Ausstellungs-Manager und Macher Göke und Heithecker: Das hätte gut gepasst - wen man aufgepasst hätte!

WS.

PS.: Zwei Minimalia zum Schluss dieser Betrachtung:

Kyoto: Selbst beim Besuch des Heian Schreins konnte der Bundespräsident es nicht lassen, die beginnende Kirschblüte mit den aufspriessenden Neuerungen in der bundesdeutschen Wirtschaft in Bezug zu setzen - anstatt das zu tun, was angsichts dieses Symbols aus Sicht des Verfassers dieser Zeilen wohl angemesser gewesen wäre: beredt zu Schweigen.

Berlin: Während sich die berliner Delegation auf den Weg nach Japan gemacht hat, begrüsst der Koreanische Electronic-Riese Samsung seinen Präsidenten nebst Gemahlin in der Landessprache [2] in Berlin: auf einem überdimensional grossen Plakat, das am eingerüsteten Charlottenburger Tor hängt - also auf dem Weg vom Flughafen in das alte Zentrum der Stadt.
So wird Aussenwerbung an der alten Ländergrenze zwischen dem schon damals verschuldeten Berlin und dem reichen Charlottenburg auch für die Festigung der eigenen Firmen-Position im koreanischen Inland heute genutzt. Das ist "mehr als geschickt" - und damit eine Manifestation kommunikationspolitischer Bemühungen, von denen das berliner Messe-Team in Asien noch meilenweit entfernt ist.


Zur Lektüre über den Japan Besuch Horst Köhlers wurden insbesondere zwei Tageszeitungsberichte als Quellen zu Rate gezogen:

- der Bericht von Heinrich Wefing aus Tokio vom 7. April, veröffentlicht in der F.A.Z Nr. 81 vom 8. April, Seite 40: "Köhler in Japan. Hechelnd durchs Land des Lächelns"
dem auch die hier zitierten dpaweb-Bilder entnommen wurden, und
- der Bericht von Harald Jähner aus der Berliner Zeitung Nr. 82 vom 9. April S.31: "Ein Handelsreisender. Bundespräsident Köhler in Japan - und im Gestrüpp der Gottheiten."

In Ergänzung sei hier in einem Auszug nachgetragen, was die Presse-Erklärung vom 21. April dieses Jahres zum Ausgang der Reise unter der Überschrift "IFA 2005 überzeugt japanische CE-Industrie" zu sagen hat:

„Die intensiven Gespräche,“ so Harald Wolf, „mit den Spitzenmanagern von Panasonic, Sharp und Toshiba haben gezeigt, dass die japanische CE-Industrie ein enormes Wachstumspotential aufweist. Wir sind beeindruckt von der Internationalität, Leistungs- und Innovationsfähigkeit der japanischen CE-Branche.“ Dr. Christian Göke: „Die Relevanz japanischer Industrievertreter auf der IFA 2005 ist herausragend. Japan ist ein ernst zu nehmender und bedeutsamer Markt für die Branche. Die Industrievertreter Japans haben offen mit uns über die Weiterentwicklung und den Ausbau der IFA als weltweiter Wachstumsmotor der CE-Branche diskutiert.“ Gleichermaßen heben die japanischen Gesprächspartner der CE-Industrie die weltweite Stärke der IFA und den Standort Berlin hervor.

[1Ist der politischen Führung eigentlich klar, in welch schwieriger Lage man sich befindet angesichts einer hochdynamischen Entwicklung in Asien, die hier kaum einer wirklich zu "würdigen", geschweige denn strategisch zu analysien vermag: Chirac will den Chinesen Waffen liefern, Schröder ihn dabei nachhaltig unterstützen, der Aussenminister sieht das anders, sagt aber nicht warum, und die chinesische Regierung inszeniert den kleinen Volks-Aufstand gegen Japan, da dieses Land ja aus Sicht der USA der Vorposten in Asien für die Verteidigung Taiwans darstellt, während sich die Chinesen möglichst schnell wieder dieser Abtrünnigen bemächtigen will, da sie all das haben, was ihnen fehlt: gut ausgebildete Leute, die finanziellen Resourcen und das hohe wirtschaftliche Potenzial, vor allem im Ausland. Ganz in diesem Sinne wird denn jetzt mit Indien verhandelt und dort auf mancherlei politische, ja sogar geographische Ansprüche verzichtet, damit sich diese beiden Länder im Jungtim als das zukünftige Machtzentrum - angefangen mit all dem, was zu einem zweiten Frühling der CeBIT beitragen mag - qualifizieren können.
Und wem das alles nicht genügt, der möge doch bitte einmal nachfragen, warum denn die Verhandlungen der Shanghai Automotive Industry Corp mit MG Rover bzw. der Phoenix Venture Holdings gescheitert sind, was auch die BMW-Group mindest 427 weitere Millionen Pfund Sterling kosten wird...

[2Und sind damit voll im Trend: auf der Internetseite Korea.co.kr heisst es inzwischen lapidar: "Sorry. We no longer provide English service.. :)" Und das Ganze in einem System, PostgreSQL genannt, das einst unter dem Namen POSTGRES in den 80er Jahren an der University of California in Berkley entwickelt wurde.