Johannes Paul II

verstirb heute um 21.37 Uhr im Apostolischen Palast des Vatikan.

Aus diesem Anlass bringt der deutschsprachige Dienst von RADIO VATIKAN "Die Stimme des Papstes und der Weltkirche" einen
Blick zurück auf das Portrait des anderen Johannes Paul.

Eigentlich hatte sich Johannes Paul II. nach seiner Wahl zum Papst Stanislaus nennen wollen, wie polnische Gewährsleute berichten. Aber dann wählte er den Namen seines unmittelbaren Vorgängers, Johannes Paul des Ersten. Dieser hatte nur 33 Tage regiert und war wegen seines Lächelns und seiner Einfachheit von der Kirche gleich geliebt worden. Heute, nach dem Tod von Johannes Paul II., wollen wir auch einmal an diesen anderen Johannes Paul erinnern: den Ersten, der so ganz anders war als sein Nachfolger. Ein Blick zurück ins Jahr 1978 - das Jahr, in dem das letzte Konklave stattfand.

Es war das Jahr der drei Päpste: Paul VI. und zweimal Johannes Paul. Im heißen Monat August war der Konzilspapst Paul in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo gestorben. Ende des Monats fiel die Wahl im römischen Konklave, für alle Welt überraschend, auf den Kardinal von Venedig, Albino Luciani, 65 Jahre alt. Es war eines der kürzesten Konklave überhaupt in der neueren Kirchengeschichte: Nur drei Wahlgänge brauchten die wahlberechtigten Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle. Auf dem Petersplatz aber kannte kaum einer der Wartenden den Namen des Mannes, der von der mittleren Loggia des Petersdomes aus als neuer Pontifex maximus verkündet wurde.

Der erste Eindruck an diesem 26. August 1978, um 19.30 Uhr: Ein bebrillter, eher magerer Mann mit scheuem, aber sehr herzlichem Lächeln, der seinen päpstlichen Segen erteilt - urbi et orbi. Johannes Paul nannte er sich - wie um die Qualitäten seiner beiden Vorgänger, des charismatischen Johannes und des analytischen Paul, in sich zu vereinen, auf sich zu ziehen. Vielleicht schwang auch etwas Unsicherheit mit, er wollte keine Fehler machen. Die Schuhe des Fischers Petrus mußten ziemlich groß sein für einen Bischof aus der kleinen Lagunenstadt Venedig. Papst Luciani - der lächelnde Papst, wie er bald genannt wurde - war von seiner Wahl auf den Stuhl Petri völlig überrascht worden, mochte fürchten, nicht hinreichend vorbereitet zu sein. Keine 24 Stunden nach seiner Wahl sagte er das so: Gestern früh bin ich in die Sixtina gegangen, um in aller Ruhe meine Stimme abzugeben. Nie hätte ich mir vorgestellt, was dann passieren sollte! Als die Sache für mich gefährlich wurde, flüsterten mir meine Nachbarn Worte der Ermutigung zu. Der eine sagte: "Nur Mut, wem der Herr eine Last auflegt, dem hilft er auch, sie zu tragen." Und der andere sagte: "Nur keine Angst, in der ganzen Welt beten so viele Leute für den neuen Papst." Als es dann soweit war, habe ich Ja gesagt. Verstehen wir uns richtig: Ich besitze nicht die Herzensgüte von Papst Johannes, und mir fehlt auch die Gelehrsamkeit und Kultur von Papst Paul. Aber ich bin nun mal an ihre Stelle getreten und will versuchen, der Kirche zu dienen.

"Der Gedanke an die ungeheure Last unseres Amtes bedrückt uns", erklärte Johannes Paul I. am gleichen Tag in einer Radioansprache. "Es kommt uns so vor, als hätten wir wie Petrus unseren Fuß auf die Wellen gesetzt und würden aus Angst vor dem wütenden Sturm rufen wie er: Herr, rette mich!" Heute, in der Rückschau, finden wir viele Äußerungen von Papa Luciani, die seine Unsicherheit zeigen, seine Angst vor dem Amt, seine Überforderung vielleicht. Aber nur diese Seite wahrzunehmen, tut ihm Unrecht. Der Welt wandte Johannes Paul I. ein menschliches, herzliches, liebevolles Gesicht zu - sein Lächeln, das alle gefangennahm. Es war neu. Es sprach von Einfachheit und Echtheit. Dieser Mann gab dem Papsttum ein neues Gesicht - ein Gesicht, das sich bis heute nicht vergessen läßt. Das war, trotz seiner kurzen Amtszeit als Papst, ein genuines Geschenk an die Kirche - gültig und bleibend. [...]

Was bleibt von Johannes Paul I.? Ein Geschmack von Bitterkeit, zunächst mal. Berge übler Verdächtigungen und genauso übler Vertuschungen haben sein Bild befleckt. Er starb allein und verachtet wie Bernanos` Landpfarrer. Haben wir die Lektion, die dieses Leben und Sterben uns gegeben hat, gelernt?
Aber dann ist da noch die Erinnerung an sein Lächeln. Dieses Lächeln ist Jahrzehnte her - aber es gilt. Es erzählt vom Gottvertrauen eines Menschen. Das bleibt.