Weizenbaum - man glaubt ihm kaum

Heute: das Wort zum "Vatertag". Von Joseph Weizenbaum. Heute seit 18:18 Uhr auf der Nachrichten-Seite der ARD publiziert. Dort gefunden. Und alsbald als Leser-Brief-Link auf dem hiesigen Rechner gelandet. Hier gelesen, für "?!" befunden - und hiermit zur Diskussion gestellt:

"Das Internet ist ein Misthaufen mit Perlen"

Das Internet ist nach Ansicht des US-Computerexperten und Philosophen Joseph Weizenbaum ein "Schrotthaufen" und verführt die Menschen zur Selbstüberschätzung. "Das Ganze ist ein riesiger Misthaufen, der Perlen enthält. Aber um Perlen zu finden, muss man die richtigen Fragen stellen. Gerade das können die meisten Menschen nicht." Weizenbaum, der in den 60er Jahren das Sprachanalyseprogramm ELIZA entwickelte, hielt einen Vortrag im Computermuseum in Paderborn.

Computer ersetzen nicht die Kopfarbeit

Weizenbaum sagte weiter: "Wir haben die Illusion, dass wir in einer Informationsgesellschaft leben. Wir haben das Internet, wir haben die Suchmaschine Google, wir haben die Illusion, uns stehe das gesamte Wissen der Menschheit zur Verfügung." Kein Computer könne dem Menschen die eigentliche Information liefern. "Es ist die Arbeit der Interpretation im Kopf, die aus den Zeichen, die Computer anzeigen, eine Information macht. Wir kriegen auch meistens nicht die Zeichen, die wichtig sind für eine Entscheidung." Die wichtigsten menschlichen Errungenschaften seien es, kritisch zu denken und wahrhaft zuzuhören.

"Das macht Apfelmus aus Gehirnen"

Der emeritierte Forscher des Massachusetts Institute of Technology kritisierte scharf das frühe Heranführen von Kindern an den Computer: "Computer für Kinder - das macht Apfelmus aus Gehirnen." Die Folge sei unter anderem, dass ein Großteil der Studenten und Studentinnen nicht mehr kreativ schreiben könne und zum Teil bereits Programmen das Zusammenstellen der Hausarbeit überlasse. Selbst an den besten Universitäten könne ein Viertel der Studenten nicht schreiben.

Aber für Weizenbaum gibt es noch Schlimmeres als das Internet: "Das Fernsehen ist die größte kulturelle Katastrophe, die die Erde in der Zeit, an die wir uns erinnern können, erlebt hat." Er ergänzte: "Die höchste Priorität ist es, den Kindern Sprache beizubringen."